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Armenien: Älteste Weinkellerei der Welt entdeckt

In der Mitte des Bildes sieht man
Ob 4100 v. Chr. ein guter Jahrgang war, wissen wir nicht. Sicher ist, dass man in Armenien schon vor 6100 Jahren einen guten Wein zu schätzen wussten. Davon zeugen Funde aus einer Höhle bei Areni im Südwesten des Landes.

In der Mitte ist die Wanne zu erkennen
In der Mitte ist die Wanne zu erkennen … | … in der die Trauben mit den Füßen zerstampft wurde. Die Maische floss dann in den in die Wanne eingelassenen, tiefergelegenen, Bottich.
Bereits 2007 hatte man uralte Traubenkerne entdeckt; für ein Team um Hans Barnard von der University of California in Los Angeles Anlass, unterstützt von der National Geographical Society, genug für systematische Ausgrabungen. Dabei entdeckten die Forscher nicht nur weitere Traubenreste und Trinkgefäße, sondern auch eine flache, in den Boden eingelassene Wanne. Hier zerstampfte man offenbar die Weinbeeren mit den Füßen. Die Maische floss dann in tiefer gelegene Bottiche, wo sie vergärte. Anschließend lagerten die Kellermeister den neuen Wein in der kühlen und trockenen Höhle – unter optimalen Bedingungen.

Chemische Analysen belegen diese Annahmen. In der Wanne und in den Bottichen etwa fanden die Forscher Reste von Malvidin, einem Farbstoff der dem Wein sein tiefes Rot verleiht.

Diese Reste von Traubenstielen…
Diese Reste von Traubenstielen … | … fanden sich in der Höhle. Zusammen mit den Spuren von Malvidin, belegen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit das hier Wein hergestellt wurde.
Weil sich in der gleichen Höhle zahlreiche Gräber fanden, vermuten die Archäologen, dass der Wein nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt war, sondern bei Bestattungssriten verwendet wurde. Die Herstellung von Alkohol zu kultischen Zwecken gilt als einer der möglichen Auslöser für die Domestikation von Pflanzen und die Sesshaftwerdung des Menschen. Tatsächlich stammen die gefundenen Traubenreste nicht von wild wachsenden Reben, sondern von der auch heute noch verbreiteten Zuchtform Vitis vinifera vinifera.

Julian Willuhn

Journal of Archaeological Science 38, S. 977-984, 2011

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