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Technikgeschichte: Ältester erhaltener Computer-Gesang quäkt wieder

SSEM-NachbauLaden...
Den ältesten hörbaren Beleg dafür, dass Computer mehr oder minder melodiöse Tonfolgen produzieren können, hat der britische Sender BBC nun aus seinen Archiven gekramt. Das kurze Musikstück war im Jahr 1951 in Manchester von einem Computer der Marke Ferranti Mark 1 erzeugt und dabei aufgezeichnet worden, um die Fähigkeiten der Maschine einem staunenden Publikum zu demonstrieren. Der Rechner quakte damals Sequenzen eines Kinderliedes, die britische Nationalhymne und den Swingklassiker "In the Mood" von Glenn Miller.

Bis dato hatte eine Aufnahme aus dem Jahr 1957 als älteste Computermusik gegolten, die ein IBM-Gerät in den US-amerikanischen Bell Laboratories produziert hatte. Den anerkannt frühesten Fall von Computermusikalität legte der erste australische Digitalrechner CSIRAC vor: Er zeigte sein Können Ohrenzeugen zufolge einige Monate vor dem BBC-dokumentierten Ferranti-Mark-1-Konzert. Aufnahmen dieser Pioniertat existieren indes nicht.

Der Ferrant Mark 1 ist eine frühe kommerziell vertriebene Variante des britischen Urrechners SSEM (Small-Scale Experimental Machine, Spitzname "Baby"), der sein erstes Programm erfolgreich am 21. Juni 1948 abarbeitete. Vor allem in der angelsächsischen Welt gilt der Mark-1-Prototyp "Baby" als erster echter funktionsfähiger, frei programmierbarer Computer überhaupt.

Die Frage nach dem ersten Computer ist unter Technikhistorikern allerdings umstritten, weil nicht allgemeingültig definiert ist, was eigentlich genau einen Computer etwa im Gegensatz zu einer automatischen Rechenmaschine ausmacht. Als erster frei programmierbarer Rechner mit dem logischen Design späterer Elektronenhirne könnte demnach auch der mechanische, in Deutschland 1938 von Konrad Zuse zusammengebaute, aber nicht verlässlich funktionierende Z1 oder das drei Jahre später mit Relais arbeitende Nachfolgemodell Z3 gelten. Rechenmaschinen auf Uhrwerkbasis existierten noch weit früher. (jo)
19.06.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.06.2008

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