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Anthropologie: Ältester Nachweis einer Lebensmittelvergifung

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Australopithecus africanus, einer der Vorläufer des Menschen, könnte sich bereits eine durch Fleisch übertragene Lebensmittelvergiftung zugezogen haben. Dies schließt eine italienisch-südafrikanische Arbeitsgruppe auf Grund von Skelettanalysen.

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Australopithecus africanus | Auf "Mrs. Ples" tauften Wissenschaftler den 1947 in der südafrikanischen Sterkfontein-Höhle gefundenen Schädel von Australopithecus africanus. Der Spitzname geht zurück auf die zunächst vorgeschlagene Artbezeichnung Plesianthropus transvaalensis. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der Schädel eigentlich einem "Mr. Ples" gehört hat.
Die Forscher um Ruggero D'Anastasio von der Università "Gabriele d'Annunzio" in Chieti hatten das in den 1970er Jahren entdeckte Fossil "Stw 431" aus der südafrikanischen Höhle Sterkfontein untersucht. Es wird auf 2,4 bis 2,8 Millionen Jahre geschätzt; einige Wissenschaftler gehen von einem Alter zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Jahren aus.

An zwei Wirbeln des Vormenschen zeigten sich Knochenschäden, die bislang als altersbedingte Abnutzungen interpretiert wurden. Untersuchungen im Rasterelektronenmikroskop offenbarten jedoch Strukturveränderungen, die nach Ansicht von D'Anastasio durch eine Infektionskrankheit entstanden waren.

Vermutlich litt das Individuum an einer Brucellose – eine durch Bakterien der Gattung Brucella ausgelösten Lebensmittelvergiftung. Übertragen wird die Krankheit durch Milch und Milchprodukte oder auch durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, wie Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen. Die Forscher gehen davon aus, dass der Australopithecine sich beim Verzehr einer jungen Antilope oder eines anderen Huftiers mit Brucella abortus infiziert hat.

Dies sei der erste Nachweis einer Infektionskrankheit bei Australopithecus und eine Bestätigung, dass die Vormenschen fleischliche Kost nicht verschmähten, betonen die Wissenschaftler. Frühere Analysen der Zähne hatten darauf hingedeutet, dass sich Australopithecus africanus hauptsächlich von zähen Pflanzenfasern ernährt hatte, aber auch hartschalige Nüsse und Samen knacken konnte.

Dass Australopithecinen von Zeit zu Zeit Fleisch verspeisten, überrascht wenig. Auch Schimpansen, die lange als ausgesprochene Vegetarier angesehen wurden, fressen Fleisch, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Die Forscher um D'Anastasio wollen jedoch nicht gänzlich ausschließen, dass die Wirbelschäden von "Stw 431" auch durch andere Infektionen oder durch eine Verletzung ausgelöst worden sein könnten. (aj)
32. Woche 2009

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 32. Woche 2009

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