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Gene in versteinertem Kot: Ältester Parasitennachweis durch DNA

Forscher haben die ältesten Genspuren eines Parasiten gefunden: im versteinerten Kot eines Eiszeit-Pumas.
Ein PumaLaden...

Koprolithen sind ein Goldschatz für viele Forscher: Die genaue Inaugenscheinnahme informiert sie etwa über die Kontinente überspannende Wanderung der Menschheit vor Jahrzehntausenden oder über die Nahrungsvorlieben von Flugsauriern vor Jahrmillionen. Seit nun etwa gut zwei Jahrzehnten können auch Genanalytiker aus lange versteinerten Kot-Hinterlassenschaften allerlei Schlussfolgerungen über das Ökosystem der Vergangenheit ableiten, indem sie Reste von DNA-Spuren aus Koprolithen aufreinigen und analysieren. Dabei rückt immer wieder ein ganz klassischer Darminhalt der Lebewesen in den Blickpunkt: Parasiten. Den nun vorerst ältesten genetisch nachgewiesenen Parasiten aus versteinertem Kot stellen nun Forscher im Fachblatt »Parasitology« vor: einen Katzenwurm, den argentinische Forscher in den Hinterlassenschaften eines Eiszeit-Pumas enttarnten.

Das Team um Romina Petrigh von der National University of Mar del Plata hatte Kotproben von einer Fossilfundstelle im Nordwesten Argentiniens untersucht. Dort findet sich eine große Menge an Überresten der ausgestorbenen Megafauna Südamerikas, zu der etwa die Riesenfaultiere zählten. Vor der Ankunft des Menschen lebten in diesem Gebiet im damals feuchteren Klima zudem kleinere Pflanzenfresser wie Pferde oder Kamelverwandte – und Raubtiere wie der heute noch existierende Puma (Puma concolor), die sich auf solche Beute spezialisiert hatten. Pumas hatten auch einige der nun analysierten Kothaufen hinterlassen, wie der DNA-Nachweis belegt. Im Kot fanden sich zudem Eier von Wurmparasiten, die, so die Genanalyse, dem Spulwurm Toxascaris leonina zuzurechnen sind. Dieser im Wesentlichen harmlose Fadenwurm befällt bis heute den Dünndarm von Katzen, Hunden und Füchsen.

Die Datierung der untersuchten Koprolithen ergab ein Alter von etwa 16 570 und 17 000 Jahren: Das Tier hatte Wurmeier und Kot demnach gegen Ende der Eiszeit abgesetzt. Der Nachweis von derart alten DNA-Spuren ist sehr selten. Offenbar hat das bald nach der Eiszeit einsetzende trockene und kalte Klima vor Ort die Koprolithen besonders vorteilhaft konserviert. Der glückliche Zufall macht den Raubkatzenfadenwurm nun zum derzeit ältesten je mit Genanalysen nachgewiesenen Parasiten überhaupt. Die Forscher sind nicht überrascht, dass Raubkatzen schon seit langer Zeit Parasiten in sich tragen. Sie hätten die heute weltweit verbreitete Art Toxascaris leonina allerdings nicht unbedingt zu finden erwartet: Parasitologen hatten bisher eher angenommen, dass dieser Wurm sich erst mit Haushunden oder -katzen und der Menschheit global ausgebreitet hat.

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