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Meteorologie: Aerosole doch keine Klimaschützer?

Wolken als Sonnenschirm
Einer gängigen Theorie zufolge wirken feine Schwebeteilchen in der Atmosphäre, so genannte Aerosole, der Erderwärmung entgegen. Der Grund: An ihnen kondensiert Luftfeuchtigkeit, und die entstehenden Wolken reflektieren das Sonnenlicht in den Weltraum. Je mehr Schwebeteilchen als Kondensationskeime wirken, desto kleiner werden die Tröpfchen und desto länger bleiben sie als Sonnenschirm in der Luft, bevor sie ausregnen.

So einleuchtend diese Vorstellung klingt, ist es allerdings bisher nicht gelungen, sie durch exakte Rechnungen zu untermauern. Das machte Bjorn Stevens vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und seinen US-Kollegen Graham Feingold misstrauisch. Und so sichteten sie die Fachliteratur zu dem Thema aus den letzten vier Jahrzehnten. Dabei stießen sie auf Befunde, die der Theorie widersprechen. So haben Wissenschaftler festgestellt, dass Aerosole in der Passatwindregion Wolken schneller abregnen lassen statt langsamer.

Die beiden Forscher halten das gängige Bild deshalb für zu vereinfacht. „Wolken reagieren auf sehr komplexe Weise auf Aerosole“, erklärt Stevens. Bisher seien Vorgänge übersehen worden, die dem kühlenden Effekt entgegenwirken. So steigt in durch Schwebeteilchen erzeugten Kumuluswolken die feuchte Luft durch die frei werdende Kondensationswärme weiter auf, kühlt dabei ab und bildet zusätzliche Wassertröpfchen in größerer Höhe. Die Wolke dehnt sich nach oben aus und regnet deshalb schneller ab als zuvor.

Stevens und Feingold plädieren dafür, den Aerosoleffekt bei den verschiedenen Wolkentypen gesondert zu untersuchen. Den Anfang soll 2010 eine zweijährige Feldstudie auf Barbados machen, in der die Forscher die vom Atlantik herantreibenden Wolken ins Visier nehmen.

Julia Eder

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