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Hydrologie: Aerosole verhindern Steigungsregen

Die Luftverschmutzung mit feinsten Partikeln sorgt in bergigen Regionen für nachlassende Niederschläge. Normalerweise steigen hier Wolken an den Hängen auf und bringen ergiebige Regenfälle. In China konnten Forscher nun zeigen, dass diese Steigungsregen mit zunehmender Aerosolbelastung zurückgehen.

Mount HuaLaden...
Mount Hua | Tempelbesucher am Gipfel des in Dunst gehüllten Hua: Die meteorologische Messstation befindet sich direkt oberhalb des Tempels. Die dort seit über fünfzig Jahren erhobenen Daten zeigen, dass die zunehmende Luftverschmutzung das Abregnen von Wolken am Hang hemmt.
Die Wissenschaftler um Daniel Rosenfeld von der Hebräischen Universität in Jerusalem nutzten Daten zu Niederschlag und Fernsicht als Maß für die Aerosolkonzentration, die seit 1954 an einer meteorologischen Messstation in 2000 Metern Höhe auf dem Mount Hua, 120 Kilometer östlich der zentralchinesischen Stadt Xi'an, erhoben werden. Den Werten zufolge hat der mittlere Jahresniederschlag in fünfzig Jahren um ein Fünftel abgenommen, an Tagen mit Sichtweiten unter acht Kilometern regnete es zum Teil nur noch die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Die Forscher erkannten einen direkten Zusammenhang zwischen diesiger, also verschmutzter Luft und den Regenmengen.

Aerosole wirken in Wolken als Kondensationskeime. Dadurch entstehen mehr, aber dafür kleinere Tröpfchen, die zu leicht sind, um als Regentropfen zu fallen oder Eiskörner zu bilden. Die Wolken müssen daher am Gebirge in größere Höhen aufsteigen, bevor sie sich abregnen, oder transportieren ihre feuchte Fracht sogar über den Bergkamm hinweg, wo sie dann bei der nun absteigenden Bewegung wieder verdunsten.

Steigungsregen spielen eine wichtige Rolle beim Auffüllen der Wasserreserven im Hinterland von Verdichtungsräumen, die meist auf diese Quellen für ihre Trinkwasserversorgung angewiesen sind. Insbesondere in trockenen Gebieten wie dem Nahen Osten, dem Südwesten der USA oder Zentral- und Nordchina bedroht die Luftverschmutzung daher größere Gebiete, als der Smog über einer Stadt zunächst vermuten ließe. Ähnliche Effekte durch Aerosole wurden schon in Israel, den USA, Nordafrika, Südeuropa und der Schweiz beobachtet. (af)
10.03.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10.03.2007

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