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Affengelächter: Das Lachen, das wir teilen

Vielleicht begann die Geschichte unseres Sprechens nicht mit dem ersten Wort – sondern mit Gelächter. Die Fähigkeit zu lachen haben wir mit anderen Menschenaffen gemeinsam. Was verrät uns das tierische Lachen über den Ursprung der menschlichen Sprechfähigkeit? 
Ein Mann hält einen jungen Orang-Utan in den Armen. Beide haben den Mund weit geöffnet, als ob sie lachen oder rufen. Der Hintergrund ist unscharf, was den Fokus auf die Interaktion zwischen dem Mann und dem Tier legt.
Lachen verbindet: Dieser zwei Monate alte Orang-Utan scheint sich gut mit dem Mitabeiter des Songkhia Zoos (Thailand) zu verstehen.

Alle großen Menschenaffen lachen – vom Menschen, Schimpansen, Bonobo, Gorilla bis hin zum Orang-Utan. Wenn man sich die Aufnahmen der Tierstimmen anhört, klingt das manchmal überraschend menschlich. Laut der Studie eines Teams an der University of Warwick stimmen das Gelächter von Menschen und das anderer Menschenaffen tatsächlich in einem grundlegenden Merkmal überein. Die Beobachtung könnte einen spannenden Hinweis darauf geben, wie der Mensch sprechen lernte. 

Spielen, kitzeln, hahaha

Die Wissenschaftler analysierten Audiofiles von vier Orang-Utans, zwei Gorillas, drei Bonobos, vier Schimpansen sowie vier Kindern. Alle waren während der Tonaufnahmen in Gelächter ausgebrochen, als Menschen mit ihnen gespielt oder sie gekitzelt hatten. Über 140 Lachepisoden hinweg fand das Team immer wieder ähnliche repetitive, rhythmische Muster mit gleichmäßig verteilten Abständen zwischen den Lauten. Zum Beispiel: ha-ha-ha-ha – Atempause – ha-ha-ha-ha – Atempause – …

Wie sich das Lachen veränderte

Wenn sich Menschenaffen einschließlich des Menschen denselben grundlegenden Lachrhythmus teilen, dann haben sie die Fähigkeit dazu vermutlich nicht erst später in der Evolution unabhängig voneinander entwickelt. Wahrscheinlicher ist es, dass schon ihr gemeinsamer Vorfahr vor 15 Millionen Jahren – bevor sich die Arten trennten – so ähnlich lachte.

Anders als andere Menschenaffen können wir unser Lachen sehr gut kontrollieren: Das haltlose Kichern beim Kitzeln unterscheidet sich deutlich von einem höflichen Lachen in einer Besprechung, einem nervösen Lachen, wenn wir etwas falsch gemacht haben, oder dem ansteckenden Gelächter, wenn etwas witzig erscheint. Menschen steuern, wann und wie sie lachen – abhängig von der Situation. 

Bevor wir sprachen, lachten wir

Was aber haben diese Beobachtungen mit der Evolution der Sprechfähigkeit zu tun? »Laute hinterlassen keine Fossilien, und komplexe Sprache gibt es nur bei unserer eigenen Art«, sagt Chiara De Gregorio, Erstautorin der Studie. Das macht es so schwierig, die Entstehung des Sprechens nachzuvollziehen. Doch das Lachen, dessen Ursprung wir uns offenbar mit anderen Menschenaffen teilen, gewährt uns nun einen unerwarteten Einblick.

Lachen ist evolutionär gesehen mutmaßlich viel »älter« als das artspezifische Sprechen. Das heutige, modulierte menschliche Lachen verlangt motorisches Timing und eine gute Koordination von Atmung und Lautbildung. Und das setzt auch das Sprechen voraus.

Sprechfähigkeit fiel nicht vom Himmel

Laut den Analysen der Arbeitsgruppe könnte sich der Lachrhythmus im Verlauf der Evolution entlang der bekannten Verwandtschaftslinien beschleunigt haben: Die mit uns nahe verwandten Schimpansen lachten im Versuch im Schnitt nicht so schnell wie wir, aber doch schneller als die im Stammbaum etwas entfernter angesiedelten Orang-Utans. Auch ihr Lachtempo variierte stärker. 

Hier hören Sie einen lachenden Orang-Utan

Im Verlauf der Evolution erlangten die menschlichen Vorfahren vermutlich allmählich eine immer bessere Kontrolle über die zeitliche Abstimmung ihrer Lautäußerungen. Die menschliche Sprechfähigkeit entstand den Autoren zufolge demnach nicht sprunghaft, sondern baute auf der bereits vorhandenen Fähigkeit zu rhythmischen Vokalisierungen früher Homininen auf, die sich im Lachen manifestierte. So klingt im Sprechen vielleicht ein altes Erbe nach – aus einer Zeit, als unsere Vorfahren noch nicht sprachen, aber vielleicht schon herzlich lachten.

  • Quellen

De Gregorio, C. et al., Communications Biology 10.1038/s42003–026–10 499-z, 2026

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