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News: Afrikas gespaltene Persönlichkeit

Geophysiker schauen in eine unerwartet nasse Zukunft des östlichen Afrika. Um genauer zu sein: Es steht ein neues Meer ins Haus. Wie eine Studie bestätigt, brechen zwei Fragmente der Erdkruste gegenwärtig in Äthiopien, Kenia und Tansania mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Millimetern pro Jahr auseinander. Das reicht aus, um in einem Zeitraum von Millionen Jahren ein neues Ozeanbecken entstehen zu lassen.
Bereits vor Jahrzehnten stellten Geologen fest, daß sich in Ostafrika langsam entlang einer 4000 Kilometer langen Naht ein Spalt ausbildet. Dieses Gebiet ist durch Erdbeben und Vulkane gekennzeichnet. Die beiden afrikanischen Teile – im Osten die Nubische und im Westen die Somalische Platte – driften dabei jedoch nicht einfach auseinander. Vielmehr erscheint die Spaltung in der Nähe des Roten Meeres schneller und im südlichen Afrika wesentlich langsamer zu verlaufen, so als würden die Platten um einen Drehpunkt rotieren.

Wie in Nature vom 4. März 1999 berichtet wird, hat die neue Forschung genau diesen Dreh- und Angelpunkt der afrikanischen Plattentektonik zum Gegenstand. Die Geophysiker Dezhi Chu und Richard Gordon von der Rice University in Houston studierten dafür geologische Aufzeichnungen von 59 Stellen auf dem Meeresgrund, an denen ausfließende Magma neue Ozeankruste um die beiden Platten herum bildet.

Die geologischen Aufzeichnungen beinhalten dabei eine über Millionen Jahre reichende Chronologie in Form von magnetischen "Bändern", da sich das periodisch umkehrende Erdmagnetfeld gewissermaßen in die abkühlende Magma eingeprägt hat und so zur Datierung der Schichten genutzt werden kann. Chu und Gordon rechneten diese zeitlichen Aufzeichnungen in Geschwindigkeiten der beiden Platten um. Anschließend untersuchten sie die Orientierung der Erdbebenverwerfungen, um die relative Rotation der beiden Platten zueinander abschätzen zu können.

Der so gefundene Drehpunkt, der dem Zentrum einer Schere ähnelt, befindet sich vor Afrika in der Nähe von Madagaskar. Die meisten Forscher hatten ihn viel weiter südlich in Richtung der Antarktis angesiedelt. Nach den neuen Ergebnissen schieben sich die Nubische und Somalische Platte im Indischen Ozean, südlich des Drehpunktes ineinander. Ein unerwartetes Ergebnis, wie Gordon sagt. Für den afrikanischen Kontinent liegt die errechnete Spaltungsrate von sechs Millimeter pro Jahr "im oberen Bereich verschiedener geologischer Schätzungen", bemerkt Gordon.

"Es handelt sich um einen eindeutigen Datenbestand und die Krönung jahrzehntelanger Überlegungen zur ostafrikanischen Spaltungszone", erläutert Geophysiker Fred Pollitz von der University of California in Davis. Die Analyse legt nahe, daß sich die Spaltenbildung in den letzten sechs Millionen Jahren beschleunigt hat.

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