Direkt zum Inhalt

Aktuelles Stichwort: Waldbrände in Australien

Szenen wie aus Dantes Inferno: verkohlte Häuser, verheerte Wälder, zahlreiche Tote. Der Süden Australiens wird von den heftigsten Feuersbrünsten seit Jahrzehnten heimgesucht - die Folge falscher Politik, Brandstiftung und des Klimawandels.
Australischer Waldbrand aus dem All
Mindestens 170 Tote, 750 zerstörte Häuser und Schäden in Millionenhöhe allein an der Infrastruktur: Das ist die vorläufige Bilanz der verheerenden Buschfeuer, die letztes Wochenende im australischen Süden tobten. Extreme Hitze mit Temperaturen über 40 Grad Celsius und starke Winde heizten die Brände immer wieder an und verhinderten, dass die Feuerwehr sie unter Kontrolle bringen konnte; 31 Brandherde sollen noch lodern. Mehr als 3300 Quadratkilometer Wald, Busch- und Kulturland wurden bislang eingeäschert – mehr als die Fläche Hamburgs und des Saarlands.

Augenzeugen beschreiben, dass manche Flammenwände bis zu vier Stockwerke hoch aufragten und sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreiteten. Auf ihrem Weg begünstigt werden sie durch ein besonderes Phänomen: Die Brände schaffen sich ihr eigenes Wetter, das wiederum die Feuerintensität und -gefährdung erhöht. Die Gluten erhitzen den Boden, und heiße Luft steigt rasend schnell auf. Es bildet sich ein so genannter Pyrocumulus – eine Wolke aus Asche und Rauch. An diesen Partikeln kondensiert Luftfeuchtigkeit aus der Atmosphäre sowie das beim Brand verdampfte Wasser aus der Vegetation. Ab einer bestimmten Größe der Wolke kann diese Feuchtigkeit unter Umständen auch als Regen wieder ausfallen und das Feuer löschen – bei extremer Hitze wie jetzt in Australien kommt dies aber nur selten vor.

Stattdessen heizen die Pyrocumuluswolken die Feuer weiter an, da heftige Turbulenzen sie begleiten, deren Böen dem Brand Sauerstoff zuführen und Funken verbreiten. Durch elektrostatische Aufladung entstehen Blitze in der Wolke, die neue Brände entzünden. Der Feuersturm saugt zudem Luft an, die wie ein Föhn die Vegetation austrocknet und damit leichter entflammbar macht. Solche Feuer lassen sich unter den momentanen Wetterbedingungen kaum mehr stoppen.

Derartige Naturkatastrophen gehören allerdings zu Australien wie Kängurus, denn die heimische Vegetation ist vielfach zwingend darauf angewiesen, um sich zu verjüngen. Pflanzen wie der Eukalyptus produzieren sogar hochentzündliche ätherische Öle, um Feuer zu begünstigen: Es schafft ihnen lästige Konkurrenz vom Leib, während sie sich selbst leicht aus dem Stock regenerieren. Manche Theorien gehen sogar davon aus, dass erst die Ankunft des Menschen und dessen Hang zu Zündeleien den Eukalypten ihre dominierende Stellung auf dem fünften Kontinent verschafft hat. Zuvor dominierten die empfindlicher auf Feuer reagierenden Kasuarinen und Araukarien Australiens Wälder.

In den letzten Jahrzehnten unterdrückten die Behörden jedoch viele Buschfeuer. Dadurch häufte sich in den Ökosystemen allerdings erst recht Brennmaterial an, das nun den Treibstoff für die sehr heftigen Feuer liefert. Zuvor hatten leichtere Ereignisse immer wieder im Unterholz "aufgeräumt". Dazu kommen die besonderen klimatischen Bedingungen Australiens, das ohnehin der regenärmste Kontinent ist: Eine lang anhaltende Dürre hat große Gebiete nachhaltig ausgetrocknet. Für die Zukunft bedeutet das nichts Gutes, da alle Prognosen zum Klimawandel damit rechnen, dass die Niederschläge weiter zurückgehen.

Und wie am Mittelmeer oder in Kalifornien zogen auch in Australien mehr Menschen in die Vororte von Städten oder suchen Erholung in der Natur: Die Verzahnung zwischen Zivilisation und Wildnis nimmt zu – und folglich die Zahl absichtlich oder versehentlich ausgelöster Feuer. Brandstiftung gilt als eine der Hauptursachen für die Katastrophen, die sich gegenwärtig abspielen, obwohl Pyromanen mit hohen Strafen bis hin zu lebenslanger Haft wegen Mordes rechnen müssen. Mehrere Nationalparks wurden mittlerweile aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Während der Südosten in Asche versinkt, kämpft Australiens Nordosten dagegen mit ganz anderen Problemen: Sintflutartige Niederschläge haben große Regionen überschwemmt und ebenfalls Evakuierungen nötig gemacht. Rund um Melbourne, der von Bränden am meisten geplagten Region, zeichnet sich immerhin leichte Entspannung ab: Nach dem hitzigen Wochenende sanken die Temperaturen deutlich, vereinzelt ist sogar leichter Regen angekündigt worden. Und auch dem Norden winkt ein Ende der Fluten: Das Regengebiet soll nach Süden weiterziehen.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte