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Massaker-Mysterium in Schweden: Alle abgeschlachtet, Gold liegen gelassen

Eine ungewöhnliche Gräueltat entdeckte ein Ausgrabungsteam in Schweden: In einer alten Burg stapeln sich die Leichen. Kurios: Gold und Wertsachen der Opfer blieben bis zum heutigen Tag unberührt.
Eins von neun Skeletten, die in einem einzelnen Haus der Burg von Sandby borg gefunden wurden.

In einer bislang drei Jahre währenden Ausgrabung hat ein schwedisches Archäologenteam die Spuren eines rätselhaften Gemetzels entdeckt, das noch nach 1500 Jahren seine Spuren in den lokalen Überlieferungen hinterlassen hat. Die Funde sind außergewöhnlich und erschreckend, wie die Arbeitsgruppe um Ludvig Papmehl-Dufay vom Landesmuseum Kalmar in »Antiquity« berichtet. Obwohl erst knapp ein Zehntel des Hügelforts namens Sandby borg an der Ostküste der Insel Öland ausgegraben ist, zeigt sich: Das Massaker, das den wohlhabenden Ort im Süden der Insel etwa Mitte des 5. Jahrhunderts auslöschte, war selbst nach den Maßstäben einer brutalen Zeit ungewöhnlich. Die bisher gefundenen 26 Opfer wurden in den Häusern und auf den Straßen totgeschlagen und liegen gelassen, wo sie hinfielen – zusammen mit ihren Wertsachen. Das Ausgrabungsteam fand römische Münzen, goldene Gewandnadeln, Glas- und Silberperlen sowie die Überreste der in ihren Ställen verhungerten Haustiere. Weder die unbekannten Angreifer noch andere Menschen durchsuchten den Ort des Grauens nach Wertsachen. Womöglich, so das Team, sei die Stätte jahrhundertelang nicht betreten worden.

Dass sich Menschen gegenseitig in großer Zahl abschlachten, ist für sich nicht ungewöhnlich. Aber dass diese Fundstätte ein besonderes Grauen birgt, erfuhr das Team schon vor Beginn der Ausgrabungen: Um den alten Hügel am Wasser solle man besser einen großen Bogen machen, warnten Einheimische laut Bericht des »Guardian«. Woher der mit Steinen eingefasste Hügel seinen düsteren Ruf hat, zeigte sich schnell: Das etwa 5000 Quadratmeter große Hügelfort ist vermutlich mit menschlichen Überresten übersät, darunter Kinder und Jugendliche. Die Toten fielen buchstäblich übereinander, als sie mit stumpfen Gegenständen getötet wurden. Unter den Funden ist auch der Oberschenkel eines wenige Wochen alten Säuglings. Hochgerechnet auf die vermutliche Einwohnerzahl liegen in den etwa 50 Häusern noch etwa 200 weitere Leichen.

Die bisher gefundenen Opfer zeigten keinerlei Kampfspuren, was möglicherweise darauf hindeutet, dass sie von einer großen Gruppe Feinde im Schlaf überrascht wurden. Auch Waffen sind bisher, abgesehen von Schwertteilen, nicht aufgetaucht, sie könnten als Trophäen weggetragen worden sein. Das allerdings ist Spekulation – das Ereignis, das Sandby borg auslöschte, muss untypisch gewesen sein. Von den mindestens 15 Ringburgen, die auf Öland zu jener Zeit existierten, erlitt keine ein ähnliches Schicksal. Der Ort blieb lange Zeit nicht nur unbewohnt, sondern anscheinend auch unberührt, obwohl die Insel dicht besiedelt war. Für die Forschung dürfte die Katastrophe ein Glücksfall sein: Nach dem Massaker blieb auf dem kleinen Hügel quasi die Zeit stehen. Die Ortschaft brannte nicht einmal nieder, sondern verfiel so, wie sie in den letzten Momenten ihrer Bewohner gewesen war: ein skandinavisches Pompeji, nur ohne Vulkan.

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