Direkt zum Inhalt

News: Alles bleibt, wie es ist

13 oder 14 Milliarden Jahre, so alt schätzen Forscher derzeit das Alter des Universums. Dabei macht ihnen die gar nicht konstante Hubble-Konstante das Leben schwer. Doch mithilfe uralter Sternenreste gelang jetzt eine davon unabhängige Bestätigung ihrer Ergebnisse.
Kugelsternhaufen M4
Nachdem Edwin Hubble (1889-1953) im Jahr 1929 mithilfe der ins Rote verschobenen Spektren ferner Galaxien die Expansion des Weltalls entdeckte, konnte erstmals der Zeitpunkt des Urknalls berechnet werden. Noch war die Bestimmung der Geschwindigkeit, mit der sich das All ausdehnte, nur unzureichend genau bestimmbar, sodass Edwin Hubble den Urknall vor etwa zwei Milliarden Jahren festsetzte. Seitdem stand das Alter des Universums im Mittelpunkt hitziger Diskussionen. Ob acht oder 18 Milliarden Jahre, alle Forscher hatten ihre plausiblen Argumente.

1997 ging mit neuen Daten des Hubble Space Telescope schließlich die Erkenntnis durch Mark und Bein, dass die Hubble-Konstante eines nicht ist, nämlich konstant. Vielmehr gibt es die "dunkle Energie", welche die Expansion des Universums beschleunigt. Berücksichtigten die Forscher diese ungleichförmige Ausdehnung in ihren Modellen, kamen sie schließlich auf ein kosmisches Alter von 13 bis 14 Milliarden Jahren.

Doch so richtig zufrieden war man noch nicht, was fehlte, war eine unabhängige Bestätigung des Alters.

Und die lieferte nun - wie könnte es anders sein - das Hubble Space Telescope. Denn gleich um die Ecke, in nur 7000 Lichtjahren Entfernung, fanden Harvey Richter von der University of British Columbia und seine Mitarbeiter mithilfe des altgedienten Weltraumteleskops im Kugelsternhaufen M4 zahlreiche Überreste längst erloschener Sterne. Diese Weißen Zwerge sind mittlerweile so sehr abgekühlt, dass sie nur ein Milliardstel so hell leuchten wie der schwächste, mit dem bloßen Auge sichtbare Stern.

Selbst das Hubble Space Telescope stieß bei den Aufnahmen an seine Grenzen; eigentlich hatte niemand erwartet, diese Sterne sichtbar machen zu können. Doch nach alles in allem fast acht Tagen Belichtungszeit konnten ihre Helligkeiten, und somit die Temperaturen der Weißen Zwerge gemessen werden. Und die nehmen genauso gesetzmäßig ab wie in der Glut eines Lagerfeuers. Die kühler werdenden Kohlenstoffüberreste geben also Aufschluss über das Sternalter.

Und was hat das mit dem Alter des Weltalls zu tun?

Nun, diese Weißen Zwerge befinden sich in jenen Kugelsternhaufen. Und solche Kugelsternhaufen sind uralt, denn sie entstanden bereits ungefähr eine Milliarde Jahre nach dem Urknall. In ihnen fanden sich die ersten Sterne des Universums zusammen. Diese Ansammlungen aus bis zu einigen zehn Millionen Sternen ballten sich ihrerseits zu den Galaxien zusammen.

Die kalten und nur noch schwach leuchtenden Weißen Zwerge in M4 sind also die Überreste einiger der ersten Sterne überhaupt. Da in diesen Sternen jede Fusionstätigkeit längst erloschen ist, sie also lediglich abkühlen, sind sie viel zuverlässigere Uhren als noch brennende Sterne. Die "Lagerfeuer"-Methode ist deshalb sehr genau.

Dementsprechend zufrieden waren die Forscher dann auch mit dem Ergebnis. Die Weißen Zwerge in M4 sind zwölf bis 13 Milliarden Jahre alt. Zählt man die eine Milliarde Jahre hinzu, die bis zur Entstehung der ersten Sterne nach dem Urknall verstrichen, deckt sich das Ergebnis exakt mit den Modellen auf der Basis von Hubble-Konstante und dunkler Energie.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte