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Klimawandel: Alpengletscher bis 2100 fast völlig verschwunden

Steigen die Durchschnittstemperaturen in den Alpen während der nächsten Jahre um drei Grad Celsius, schrumpfen die heute noch vorhandenen Gletscher des Gebirges bis 2100 um achtzig Prozent. Im Vergleich zum Jahr 1850 würde das Eis dann nur noch zehn Prozent seiner damaligen Ausdehnung einnehmen.

Sollten die Temperaturen im Rahmen der Erderwärmung um fünf Grad steigen, würden die Alpen sogar fast gänzlich eisfrei werden, sagen Glaziologen um Michael Zemp von der Universität Zürich voraus. Ihre Datenvergleiche zeigen, dass die Alpengletscher bereits zwischen 1850 und 1970 etwas mehr als ein Drittel ihres ehemaligen Areals von 4300 Quadratkilometern verloren – ein jährlicher Verlust von etwa 2,8 Prozent. Danach beschleunigte sich der Prozess auf 3,3 Prozent Verlust pro Jahr, wobei vor allem die Zeit nach 1985 negativ zu Buche schlug: Im Jahr 2000 war dann nur noch die Hälfte der Ausgangsfläche bedeckt. Allein im Hitzesommer 2003 verschwanden zudem weitere fünf bis zehn Prozent der verbliebenen Gletschermassen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Niederschläge in den Alpen nach verschiedenen Klimaszenarien maximal um dreißig Prozent steigen. Um das Volumen der Gletscher – die auch durch Niederschläge beeinflusst werden – zumindest zu erhalten, reicht dies aber nicht aus. Denn anhand ihrer Computermodelle berechneten die schweizerischen Forscher, dass mit jedem Grad Temperaturerhöhung die Niederschläge um mindestens ein weiteres Viertel steigen müssten, um die prognostizierten Verluste durch die Erwärmung auszugleichen. Sollten sich Alpen deshalb um fünf Grad aufheizen, dürften bis zum Ende des Jahrhunderts nur noch die ganz großen Gletscher wie der Aletsch in der Schweiz oder jene auf den höchsten Gipfeln in Resten erhalten sein.
11.07.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.07.2006

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