Direkt zum Inhalt

News: Als Nebenwirkung Diabetes?

Impfungen wie beispielsweise gegen das Rotavirus, das vor allem bei Kindern der dritten Welt vorkommt, sollen eigentlich vor Krankheiten schützen. Bei Säuglingen und Kindern mit einer genetischen Veranlagung zum Diabetes Typ-I könnten sie jedoch ungewollt den Beginn der gefährlichen Zuckerkrankheit auslösen. Forscher entdeckten, dass Proteinteile des Virus ähnlich zu Proteinstückchen auf den Pankreaszellen sind, welche die Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen einleiten. Sollten die Eiweiße des Virus jedoch die krankheitsauslösenden Proteine durch eine Art 'molekulare Mimikry' imitieren, so könnten breit angelegte Impfungen gegen den Rotavirus bei vielen Kindern für den frühen Ausbruch der Diabetes verantwortlich sein.
Im Unterschied zum Diabetes Typ-II, der hauptsächlich Personen mittleren Alters betrifft, ist der Diabetes Typ-I eine Autoimunerkrankung, die bereits bei sehr jungen Menschen ausbricht und von deren genetischen Veranlagung für die Krankheit abhängt. Wenn das Imunsystem dann plötzlich beginnt die Insulin-produzierenden Zellen des Pankreas anzugreifen, kann der Körper den Blutzuckerspiegel bald nicht mehr regulierenn, da nun das Insulin – das einzige Hormon beim Menschen, das den Blutzuckerspiegel senken kann – nicht mehr in ausreichenden Mengen produziert wird.

Die früh beginnende Zuckerkrankheit kann vermutlich durch Rotaviren ausgelöst werden, wie Margo Honeyman vom Walter and Elisabeth Hall Institute of Medical Research in Melbourne und ihre Mitarbeiter berichten. Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen von Magen-Darm-Katarrh, an denen vor allem in der dritten Welt jährlich Tausende von Kindern sterben. Die Forscher beobachteten über eine Zeitspanne von bis zu sechs Jahren die Entwicklung von 54 Kleinkinder, deren Eltern oder Geschwister an Diabetes Typ-I erkrankt waren. Dadurch waren die Kleinkinder genetisch dazu veranlagt, dass auch bei ihnen der Defekt ausbricht.

Erwartungsgemäß infizierten sich die Kinder mit dem häufigen Rotavirus. Bei 24 von ihnen, die bereits klare Zeichen der Diabetes aufwiesen, beobachteten die Forscher jedesmal einen Anstieg des Antikörperpegels im Blut, der einen Angriff der Pankreaszellen signalisiert. Nach dem Abklingen der Virusinfektion sanken die Antikörperpegels wieder ab, um bei der nächsten Infektion erneut anzusteigen. Kinder, bei denen kein Diabetes ausbrach und die sich dennoch mit dem Virus infizierten, zeigten im weiteren Verlauf dagegen keine Anzeichen für eine Schädigung der Pankreaszellen.

Die Forscher entdeckten bei weiteren Untersuchungen, dass Teile des Virusproteins Molekülen ähneln, die auf den Pankreaszellen die zerstörerrische Imunantwort auslösen. Sie vermuten, dass das Rotavirus die Pankreaszellen direkt nach der Infektion schädigt oder jene Pankreasproteine imitiert, die den Angriff des Imunsystems einleiten. Sollten die Virusproteine tatsächlich die Pankreasproteine nachahmen und dadurch die Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen auslösen, so könnten Impfstoffe gegen das Rotavirus – die eigentlich vor dem gefährlichen Magen-Darm-Katarrh schützen sollen – für den frühen Ausbruch des Diabetes verantwortlich sein. "Wenn das Rotavirus direkt den Pankreas befällt, wäre der Impfstoff sicher und schützend," meint Honeyman, "aber wenn es sich um Mimikry oder beides, Infektion und Imitation handelt, könnte der Virusimpstoff dagegen gefährlich sein."

"Es ist ziemlich überzeugend, dass das Rotavirus einer der Auslöser für den frühen Start der Diabetes ist", kommentiert der Virologe David Cubitt vom Great Ormond Street Hospital in London. "Die Idee der molekularen Mimikry ist sehr interessant, aber es werden noch viele weitere Puzzle-Teile nötig sein".

Siehe auch

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.