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Marine Ökologie: Alte Speisekarten offenbaren Fischereiprobleme

Anhand der früheren Preise für Fisch- und Meeresfrüchtemenüs versuchen dänische Umweltwissenschaftler, den Umfang ehemaliger Bestände und die Bestandsentwicklung abzuschätzen. Sie untermauern mit ihren Analysen die Forderungen, in manchen Meeresgebieten die Fischerei zum Schutz der Arten ganz einzustellen.

Poul Holm von der Universität von Süd-Dänemark in Esbjerg und seine Kollegen nutzen zehntausende alte Speisekarten aus Städten wie Boston, San Francisco oder Providence auf Rhode Island, wo traditionsgemäß viel Fisch gegessen wird. Ein inflationsbereinigt höherer Preis deutet darauf hin, dass die jeweiligen Fisch- oder Meeresfrüchtarten offenbar seltener geworden und damit aufwändiger zu fangen waren – Hinweise für einen Bestandsrückgang, argumentieren die Forscher.

Dies zeige sich schön am Beispiel des Hummers, der im mittleren bis späten 19. Jahrhundert noch übliche Kost für Hausangestellte war. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Tiere zu der heutigen, hochpreisigen Delikatesse. Ein anderes Beispiel ist die Meeresschnecke Abalone (Haliotis ssp.), für die in den 1920er bis 1940er Jahren auf heute umgerechnet etwa sieben US-Dollar bezahlt werden musste. Nach einem Bestandszusammenbruch in Südkalifornien wurde das Sammeln dort 1997 verboten. Für importierte Ware müssen die Kalifornier nun fünfzig bis siebzig US-Dollar auf den Tisch legen. Nur der Nordsee-Hering (Clupea harengus) machte offenbar keine ernsthaften Populationsschwankungen durch: Seine Preise blieben über die Jahre stabil, berichtet Holm.

Die Speisekartenanalyse ist Teil eines Projekts, mit dem die Entwicklung der Fischbestände im Laufe der letzten Jahrhunderte rekonstruiert werden soll. Andere Quellen sind die Aufzeichnungen von Klöstern über Fischereierträge, Steuerzahlungen von Fischern an Landbesitzer und sogar die aus dem Altpapier gezogenen Belege eines australischen Fischereiunternehmens.

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