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Ökologie: Alter Fisch düngt den Amazonas

Amazonien ist artenreich, aber nährstoffarm. Der Regenwald lebt auch dank eines Ferntransports aus Afrika - und alter Fische aus der Sahara.
StaubdriftLaden...

Immer wieder wirbeln Stürme gewaltige Staubmengen in den Himmel über der Bodélé-Senke im nördlichen Tschad, der größten Staubquelle der Erde. Mit den Passaten und anderen Windströmungen treiben diese Aerosole über den Atlantik und düngen den Ozean wie den Amazonasregenwald gleichermaßen – ein lebenswichtiger Eintrag für das Ökosystem, das überwiegend auf ausgelaugten, alten Tropenböden wächst. Caroline Peacock von der University of Leeds und ihre Kollegen belegen nun, warum dieser Dünger so wertvoll ist: Er besteht zu einem großen Teil aus dem phosphathaltigen Mineral Apatit, das wiederum aus fossilen Fischen stammt. Denn einst bedeckte ein riesiger Binnensee die Bodélé-Senke, in dem bis vor wenigen tausend Jahren unzählige Fische wie Nilbarsche und andere Arten schwammen. Als das Gewässer nach dem Ende der letzten Eiszeit durch die Klimaerwärmung austrocknete, starben die Fische, sanken in den Schlamm und wurden teilweise von Sedimenten bedeckt.

Seitdem peitschen beständig Winde durch das Becken – etwa an 100 Tagen im Jahr entstehen große Staubstürme: Sie legen die Fischskelette frei, tragen sie ab und reißen die feinen Überreste in die Atmosphäre. Wie die Forscher erstmals mit Hilfe von chemischen Analysen und Röntgenstrukturaufnahmen belegen konnten, bestehen die Aerosole aus fein gemahlenen Gräten und Schuppen der verendeten Tiere, die massenhaft in der Depression vergraben liegen. Für die Vegetation ist diese Quelle besonders ergiebig, da die eingetragenen Phosphate leichter löslich und damit besser verfügbar sind als jene, die aus der Gesteinsverwitterung stammen. Allerdings ist die Zufuhr aus der Bodélé-Senke endlich, da die Fischablagerungen nur in der obersten Schicht der Seesedimente vorkommen. Angesichts des konstanten Abtrags ist absehbar, wann die Vorräte erschöpft sind. Doch der Regenwald florierte auch in Zeiten, als der so genannte Mega-Tschadsee mit Wasser gefüllt war – die Vegetation weiß sich also zu helfen.

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