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Inseln: Alter Kroko-Kot enthüllt verlorene Tierwelt

Die karibischen Inseln wirken wie tropische Paradiese. Doch auch diese Region verlor einen großen Teil ihrer Arten durch Menschenhand. Manche werden nur durch Knochen bezeugt.
Kubakrokodil mit FutterLaden...

Kubakrokodile waren früher auf Kuba und umliegenden Inseln weit verbreitet, heute gelten sie als bedrohte Art: Ihre Haut wird zu Leder verarbeitet und sie selbst zu Steaks, auch wenn dies außerhalb von Zuchtfarmen illegal ist. Der Nachwelt haben sie immerhin etwas hinterlassen, was Auskunft über die verlorene Artenvielfalt der Karibik gibt, wie Samuel Turvey von der Zoological Society of London und seine Kollegen im »Bulletin of the American Museum of Natural History« berichten: Die Biologen haben Knochen analysiert, deren Besitzer von den Krokodilen verzehrt und die nach der Darmpassage wieder ausgeschieden wurden. Und diese Überreste stammen demnach von bislang unbekannten, mittlerweile aber ausgestorbenen Säugetierarten, die bis vor wenigen hundert Jahren auf den Cayman Islands vorgekommen sind.

Die angedauten Knochen hatten in Sümpfen, Dolinen und Höhlen überdauert und wurden zwischen 1930 und 1990 gesammelt, jedoch jetzt erst bestimmt. Sie stammen von zwei großen Nagetier- und einer kleinen spitzmausartigen Spezies, die wahrscheinlich Anfang des 18. Jahrhunderts verschwanden. Damals besiedelten die ersten europäischen Einwanderer die Inseln und brachten Ratten, Katzen und Hunde mit, die wie auch sonst auf Inseln in der ganzen Welt eine Vielzahl von Tierarten ausgerottet haben. Die beiden Nagetiere gehörten zur Familie der Baumratten oder Hutias, von denen heute noch wenige Arten auf Kuba, Hispaniola und den Bahamas überlebt haben – sie gehören heute zu den größten ursprünglichen Säugern der Karibik.

Fossilienfunde legen nahe, dass in der Karibik während des Quartärs vor 500 000 bis einer Million Jahren mindestens 130 Säugetierarten existierten (ohne Fledermäuse), darunter auch Riesenfaultiere und Affen, die danach ausstarben. Ein Teil der Fauna ging verloren, als nach der Eiszeit die Meeresspiegel wieder anstiegen und die Landfläche zu klein für viele größere Arten wurde. Zahlreiche Spezies verschwanden jedoch erst mit Ankunft der Menschen und ihrer Haustiere. Manche existierten sogar noch bis zur Ankunft der Europäer, wie historische Aufzeichnungen belegen. Der britische Kapitän und Pirat Sir Francis Drake erwähnte beispielsweise Säugetiere in seinem Bordbuch, als er die Cayman Islands 1586 besuchte.

In welchem Ausmaß die karibischen Inseln ihre Artenvielfalt verloren haben, ist erst in Ansätzen bekannt. Neben den Säugetieren scheinen auch viele Papageienarten spätestens seit Ankunft der Europäer verschwunden zu sein. Um die Fauna zu rekonstruieren, verlegen sich Biologen auf die Auswertung von Knochenfunden an alten Siedlungsplätzen oder in Höhlen, in die Krokodile, Schlangen, Eulen oder andere Fressfeinde ihre Beute geschleppt haben, um sie dort zu fressen. Auf diese Weise bestimmten Wissenschaftler bereits rund 1000 Vogelarten, welche die pazifischen Inseln bewohnten, bevor die Polynesier dort auftauchten und sie vernichteten. In der Karibik könnten die Zahlen ähnlich hoch liegen.

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