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Gesund altern und Kognition: Die unterschätzte Fähigkeit, im Alter besser zu werden

Älter werden heißt nicht automatisch abbauen. Eine neue Studie zeichnet ein überraschendes Bild: Viele Menschen verbessern sich im Alter kognitiv und teilweise auch hinsichtlich der körperlichen Fitness. Innere Überzeugungen könnten dabei eine Rolle spielen.
Eine Gruppe älterer Menschen geht fröhlich einen grasbewachsenen Hügel hinauf. Sie halten sich an den Händen und tragen Körbe mit Gemüse. Im Hintergrund sind Felder und ein kleines Haus zu sehen. Die Szene vermittelt Freude und Gemeinschaft in einer ländlichen Umgebung.
Bei vielen Menschen geht es entgegen dem Klischee im Alter nicht abwärts, sondern aufwärts.

Glauben Sie, dass man sich mit 50 geistig und körperlich bereits auf dem Abstieg befindet? Dann liegen Sie womöglich daneben, wie eine Langzeitstudie zum Altern mit mehr als 11 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nahelegt: Beinahe die Hälfte (rund 45 Prozent) der heute 65- bis 99-jährigen Frauen und Männer hatte sich im Verlauf von zwölf Jahren nicht verschlechtert, sondern verbessert – geistig, körperlich oder in beiderlei Hinsicht. Welche Personen solche Fortschritte machten, hing statistisch damit zusammen, welches Altersbild sie zu Studienbeginn verinnerlicht hatten.

Erfasst wurde die kognitive Leistungsfähigkeit mittels mehrerer Tests, die unter anderem das Kurzzeitgedächtnis, die mittelfristige Erinnerungsfähigkeit und das mathematische Denken abdeckten. Fragebögen gaben Aufschluss über die allgemeine Einstellung zum Alter. Die körperliche Fitness wurde nur anhand der Gehgeschwindigkeit erfasst.

Über die Beobachtungsdauer verbesserten sich 45 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im geistigen und/oder körperlichen Bereich. Etwa 28 Prozent waren flinker auf den Beinen, rund 32 Prozent legten kognitiv zu. Zählt man noch jene hinzu, deren kognitive Leistungen stabil blieben, widersetzte sich damit mehr als die Hälfte der Probanden den gängigen Vorstellungen vom unausweichlichen geistigen Abbau im Alter.

»Unsere Ergebnisse zeigen: Verbesserungen im späteren Leben sind nicht selten – im Gegenteil«, betont Erstautorin Becca R. Levy, Professorin für Sozial- und Verhaltenswissenschaften an der Yale School of Public Health. Das erkenne man aber nicht, wenn man nur die Durchschnittswerte betrachte. »Schaut man sich die individuellen Verläufe an, zeigt sich eine ganz andere Geschichte«, erklärt Levy. Auch Personen mit normalem Ausgangsniveau verbesserten sich häufig im Lauf der Zeit – was der Annahme widerspreche, dass Fortschritte im Alter nur dann auftreten, wenn sich jemand von einer Krankheit oder anderen Rückschlägen erhole.

Personen mit einer positiven Einstellung zum Altern entwickelten sich sowohl kognitiv als auch hinsichtlich der Gehgeschwindigkeit deutlich öfter günstig als Menschen mit negativer Haltung. Das galt auch dann, wenn Levy und ihr Teamkollege Martin Slade weitere Faktoren wie Bildung, chronische Krankheiten oder Depressionen berücksichtigten. Die Alternsforscherin vermutet daher, dass verinnerlichte Überzeugungen zum Altern messbare biologische Konsequenzen haben können.

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  • Quellen
Levy, B.C. & Slade, M.D., Geriatrics, 10.3390/geriatrics11020028, 2026

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