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Altsteinzeitliche Ernährung: Muscheln und Schnecken der Saison

Wie die Neandertaler ihre Muschelsammlung am Mittelmeer organisierten, wirkt durchaus systematisch. Das zeigt eine Analyse von Meeresschneckenschalen aus Spanien.
Eine natürliche Felsgrotte an einer Küste, umgeben von rauen, steinigen Klippen. Die Höhle öffnet sich zum Meer, das im Vordergrund sichtbar ist, mit klarem, türkisfarbenem Wasser. Vegetation wächst spärlich auf den Felsen oberhalb der Höhle. Der Himmel ist teilweise bewölkt.
In der Cueva Los Aviones wurden zahlreiche Weichtierschalten gefunden. Sie stammen aus einer Zeit, als die Höhle noch deutlich weiter entfernt war vom Meer und legen nahe: Die Neandertaler beuteten die Meeresfrüchte ihrer Umgebung systematisch aus.

Untersuchungen an 115 000 Jahre alten Weichtierschalen zeigen: Neandertaler ernährten sich auf eine Weise, die der Ernährung des anatomisch modernen Homo sapiens knapp 100 000 Jahre später sehr stark ähnelte. Das schreiben Wissenschaftler um Asier García-Escárzaga von der Universität Burgos in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins »Proceedings of the National Academy of Sciences«.

Die Experten hatten untersucht, zu welchen Jahreszeiten die Neandertaler an der spanischen Mittelmeerküste nach Meeresschnecken suchten. Die in der Höhle Cueva Los Aviones bei Murcia in großer Zahl entdeckten Schalen von Muscheln und Schnecken verraten, dass Meeresfrüchte vor allem in den Wintermonaten auf dem Speisezettel standen.

Wann eine Schnecke abgesammelt wurde, lässt sich anhand des Verhältnisses bestimmter Sauerstoffisotope in ihrer Schale bestimmen. Es variiert in Abhängigkeit von der Wassertemperatur und gibt damit auch einen Hinweis auf den Monat des Sammelns. Konkret untersuchten García-Escárzaga und Team die Schalen der Würfelturbanschnecke (Phorcus turbinatus) und der Napfschnecke Patella ferruginea.

Warum die Neandertaler – genau wie später die modernen Menschen – vor allem während der kühleren Jahreszeit dort nach Weichtieren suchten, ist ungewiss. Es könnte damit zusammenhängen, dass die Neandertaler den Rest des Jahres anderswo lebten, vielleicht verdarben die Muscheln und Schnecken aber auch weniger schnell oder schmeckten besser während des Winters. Die gezielte Ausbeutung von Weichtieren in der Gezeitenzone begann in der Gegend der Höhle Cueva Los Aviones bereits vor 160 000 Jahren.

Wie planvoll die Neandertaler bei ihrer Nahrungsbeschaffung zuwege gingen, zeigte zuletzt auch eine Studie aus der deutschen Fundstätte Neumark-Nord. An einem ehemaligen See kochten die Neandertaler dort in »Fettfabriken« die großen Markknochen diverser Tiere aus. Auch bei der Jagd auf die gigantischen Waldelefanten orientierten sie sich am Wandel der Jahreszeiten, wie eine weitere Studie zeigte.

  • Quellen

García-Escárzaga, A., PNAS 10.1073/pnas.2531880123, 2026

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