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Alzheimersche Erkrankung: Alzheimerdemenz könnte ansteckend sein

Hinweise mehren sich, dass Alzheimerdemenz unter ganz bestimmten Umständen ansteckend sein könnte. Zumindest bei Operationen am Hirn ist daher Vorsicht geboten, um jede Verunreinigung mit Erregern auszuschließen.
Löschen im HirnLaden...

Seit einiger Zeit befürchten Mediziner, dass Erkrankungen wie die Alzheimerdemenz womöglich – zumindest unter bestimmten Umständen – von Mensch zu Mensch übertragbar sein könnten. Neue Hinweise darauf haben jetzt Mediziner aus Österreich und der Schweiz nach der Autopsie von sieben Patienten gefunden, die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) gestorben waren. Alle Verstorbenen hatten teilweise schon vor Jahrzehnten eine bestimmte Operation am Gehirn erfolgreich überstanden, bei denen sie Teile der Hirnhaut transplantiert bekommen hatten. Die dabei eingesetzte Dura mater stammte aus dem Körper verstorbener Organspender und war, wie sich später herausgestellt hatte, mit Prionen verunreinigt gewesen, die dann die CJD-Krankheit bei den sieben Operierten ausgelöst hatten.

Bei der gerade erfolgten Obduktion fielen neben den typischen CJD-Symptomen am Hirngewebe auch Anzeichen für die Alzheimererkrankung auf: Die Mediziner entdeckten Verklumpungen des Beta-Amyloid-Proteins in der grauen Substanz und den Blutgefäßen. Die Patienten waren allerdings zu jung – zwischen 28 und 63 –, um regulär schon derartige Alzheimerdemenzsymptome zu zeigen. Insgesamt 21 weitere, im ähnlichen Alter verstorbene CJD-Patienten, die nie eine Hirnhautspende erhalten haben, zeigen keine derartigen Auffälligkeiten. Die Mediziner vermuten nun, dass die vor Jahren übertragene Hirnhaut auch Partikel enthalten haben könnte, die Alzheimerdemenz auslösen. Dies unterstreicht sehr ähnliche Erkenntnisse, die vor einem halben Jahr bereits bei der Autopsie von CJD-Patienten ermittelt worden waren. Damals war eine vor Jahren erfolgte Ansteckung auf verunreinigte Wachstumshormone zurückgeführt worden, die womöglich sowohl zu Creutzfeldt-Jakob- als auch zu den Alzheimerdemenzsymptomen geführt haben.

Bisher ist allerdings unbekannt, was genau die Alzheimerdemenz hervorrufen könnte. Spekuliert wird, dass einzelne fehlgefaltete Amyloid-Peptide der Ausgangspunkt für eine Entwicklung sind, an deren Ende immer größere Klumpen des Peptids entstehen und das Gewebe schädigen. Beta-Amyloid-Peptide würden sich demnach ähnlich wie Prionen verhalten. Immerhin gab es auch schon Tierexperimente, bei denen gesunde Mäuse durch Plaques von dementen Tieren angesteckt wurden und Amyloidansammlungen ausbildeten.

Trotz der neuen Hinweise ist die Übertragbarkeit von Alzheimer nicht bewiesen – denn in den transplantierten Dura mater war kein Alzheimerdemenz-Prion nachgewiesen worden, welches als Auslöser der Erkrankung hätte dienen können. Zudem ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Vorerkrankung der operierten Patienten etwas mit den späteren Symptomen zu tun hat. Dennoch mehren sich Hinweise auf einen möglichen Übertragungsweg. Zumindest müsse sichergestellt werden, dass bei Operationen Prionen-Verunreinigungen von Patienten übertragen werden.

04/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 04/2016

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