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Wetter: Am Nordpol wärmer als in Mitteleuropa

Das Wetter spielt verrückt - zumindest rund um den Nordpol. Trotz Polarnacht steigt das Thermometer in den Plusbereich. Gleichzeitig gibt es so wenig Eis wie lange nicht.
Polarlichter verzaubern die Nacht über einer grönländischen Siedlung

Während Mitteleuropa in den nächsten Tagen so etwas wie einen Hauch des Winters verspürt (der nachts durchaus eisig werden kann), erlebt die Arktis eine außergewöhnliche Wärmeperiode: Milde Luftmassen haben die Regionen regelrecht geflutet und das Thermometer sogar in Nordgrönland phasenweise über die Null-Grad-Celsius-Grenze klettern lassen, wie die dänische Wetterbehörde meldet. Innerhalb weniger Stunden kam es hier zu einem Sprung von fast 30 Grad Celsius. Nur zweimal, 2011 und 2017, habe man hier ähnlich hohe Werte in einem Februar gemessen, schreiben die Dänen – und das mitten in der Polarnacht. Auch in anderen Regionen der Arktis herrschen momentan außergewöhnlich hohe Temperaturen wie beispielsweise in Teilen Alaskas, wo aus der Stadt Barrow mit nur minus ein Grad Celsius die Werte ebenfalls um mehr als 20 Grad höher liegen als für die Jahreszeit üblich.

Diese Ausreißer nach oben sind nur die neuesten Wetterkapriolen, die sich in den letzten Jahren in der Arktis mehren. Erst Anfang Februar etwa hatte ein kräftiger Sturm warme Luftmassen weit nach Norden getrieben und dem Meereis stark zugesetzt. Bedingt wird die gegenwärtige Wärmewelle von einer steilen Kurve des Jetstreams, die gerade über Island und Grönland weit nach Norden führt und warme Luftmassen vom Atlantik anzapft. Europa wird dagegen von einem starken Hoch über Skandinavien dominiert, an dessen Südostseite kalte Luft aus Sibirien angezapft und nach Mitteleuropa gebracht wird.

Temperaturanomalien rund um den Nordpol
Temperaturanomalien rund um den Nordpol | In der Arktis ist es gerade viel zu warm, selbst in Nordgrönland herrschen Plusgrade. Die Karte zeigt aber keine absoluten Werte, sondern Abweichungen vom langjährigen Mittel: Je intensiver das Rot ausfällt, desto stärker weichen die Temperaturen nach oben vom langjährigen Mittel ab. Blautöne geben dagegen negative Abweichungen wieder.

Während Sonnenfreunde sich bei uns immerhin über den blauen Himmel freuen können, bedeuten die Plusgrade in der Arktis eine fatale Entwicklung für das Meereis. Am 20. Februar bedeckte es eine Fläche von etwas weniger als 14 Millionen Quadratkilometern – der niedrigste Wert überhaupt seit Beginn moderner Aufzeichnungen 1979. Allein in der Bering-See vor der Küste Alaskas soll während der vergangenen Woche ein Drittel des vorhandenen Eises geschmolzen sein, was ebenfalls einen neuen Negativrekord bedeutet. Der Verlust sorgt für eine negative Rückkopplung, denn der frei gelegte Ozean gibt Wärmeenergie ab, welche die neuerliche Eisbildung hemmt. Bei der nächsten Zufuhr warmer Luft beschleunigt sich der Zerfall des Meereises weiter. Insgesamt liegt die vom Eis bedeckte Wasserfläche rund um den Nordpol um 1,3 Millionen Quadratkilometer unter dem langjährigen Mittel.

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