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Pflanzenphysiologie: Amazonien: Trotz Dürre mehr Fotosynthese

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Der Regenwald am Amazonas könnte stabiler als bislang angenommen auf klimatisch ungünstige Phasen wie Trockenperioden reagieren: Trotz ungewöhnlich starker sommerlicher Dürre während des Sommers 2005 notierten Wissenschaftler stärkeren Blattaustrieb und erhöhte Fotosyntheseleistung in der Region verglichen mit normalen Jahren.

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Dürre in Amazonien | Im Jahr 2005 durchlebte das Amazonasbecken in weiten Teilen eine schwere Dürre – vor allem in den westlichen und südwestlichen Bereichen fielen deutlich weniger Niederschläge als im Durchschnitt (rote Areale). Viele Dörfer waren nicht mehr per Boot erreichbar, da einige Flüsse komplett austrockneten.
Zumindest kurzfristig kann der Wald also Wassermangel abfedern – etwa durch das Anzapfen tiefer liegender Reserven durch verstärktes Wurzelwachstum. Bisherige Modelle gingen davon aus, dass die Vegetation in normalerweise feuchten Regionen auf ausbleibende Niederschläge mit verringerter Fotosynthese reagiert, um Wasser zu sparen. Im Regenwald sollte sich die Dürre deshalb weiter verschärfen, da die Bäume einen Teil der Niederschläge durch Verdunstung selbst generieren. Scott Saleska von der Universität von Arizona in Tucson und seine Kollegen können nun aber belegen, dass zumindest zeitweilig das Gegenteil der Fall ist.

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Trotz Dürre mehr Fotosynthese | Die Vegetation in den von der Trockenheit 2005 besonders betroffenen Regionen reagierte gänzlich anders als von Wissenschaftlern erwartet: Statt weniger betrieben sie mehr Fotosynthese und bildeten mehr neue Blätter (grüne Flächen, rot steht für unterdurchschnittlich und gelb für normale Werte).
Mit Hilfe eines so genannten Vegetation-Indexes können sie belegen, dass gerade in den von Dürre besonders betroffenen Regionen im Südwesten und Westen Amazoniens intakter Wald deutlich "grüner" wurde – negative Werte ermittelten sie nur für Gebiete, die stark von Menschen geschädigt waren oder andere Vegetationsformen aufwiesen. Nach Ansicht der Forscher profitierten die Bäume von der ungehinderten, starken Sonneneinstrahlung, die ansonsten von Wolken beeinträchtigt wird. Wegen der gut gefüllten Grundwasserspeicher war Flüssigkeit bis zum Beginn der Regenzeit kein limitierender Faktor.

Saleska und sein Team warnen allerdings dennoch vor den Risiken der Erderwärmung und fortgesetzten Rodungen. Denn vorherige, auf kleinräumigen Experimenten beruhende Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass der Regenwald am Amazonas zumindest zwei Jahre mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen überdauert. Im dritten zu trockenen Jahr beginnt die Vegetation dann allerdings abzusterben, und ihre Zusammensetzung ändert sich tiefgreifend. Zudem machen Dürren den Wald anfälliger für Brandrodung, die in Brasilien jährlich mehrere tausend Quadratkilometer Urwald für Viehweiden und Plantagen zerstören. Wegen der anhaltenden Trockenheit musste die brasilianische Regierung 2005 den Notstand über Teile Amazoniens verhängen, da Flüsse austrockneten und viele Dörfer und Städte nicht mehr per Boot versorgt werden konnten. (dl)
21.09.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.09.2007

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