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New Horizons: Wo Plutos Herz zerbröckelt

Ammoniakeis auf Charon und eine eindrucksvolle Aufnahme der schmalen Plutosichel sind die Höhepunkte der neuesten Bilder der NASA.
Ausschnitt aus der Pluto-SichelLaden...

Auf dem Plutomond Charon stießen Forscher in den Messdaten der US-Raumsonde New Horizons auf Ammoniakeis, also gefrorenen Ammoniak (NH3). Schon im Jahr 2000 waren Spuren von Ammoniak durch spektroskopische Untersuchungen von der Erde aus auf der Oberfläche von Charon gefunden worden, aber bislang hatte New Horizons keine Hinweise darauf entdeckt. Das jetzt aufgespürte Ammoniakeis befindet sich in und um einen rund fünf Kilometer großen Einschlagkrater, den die Forscher inoffiziell Organa getauft haben.

Ammoniak auf der CharonoberflächeLaden...
Ammoniak auf Charons Oberfläche | Mit Infrarotaufnahmen bei einer Wellenlänge von 2,2 Mikrometern wurde bei einem Krater mit dem inoffiziellen Namen "Organa" Ammoniakeis entdeckt. Es ist bislang das einzige bekannte Vorkommen auf Charon.

Das Ammoniakeis erschien auf einem Oberflächenscan von Charon im nahen Infrarotlicht bei einer Wellenlänge von 2,2 Mikrometern und wurde mit dem Infrarotinstrument Ralph aufgenommen. Das Eis befindet sich in den Auswurfmassen des gut erhaltenen Einschlagkraters, der vermutlich recht jung ist. Bislang wurde nur im Bereich des Kraters Organa Ammoniak gefunden. Ein vergleichbar frischer Einschlagkrater gleicher Größe mit dem inoffiziellen Namen "Skywalker" rund 80 Kilometer weiter südlich enthält dagegen Wassereis.

Noch ist unklar, warum nur in einem einzigen Krater Ammoniak auf Charon entdeckt wurde. Möglicherweise traf der einschlagende Himmelskörper auf eine Tasche mit Ammoniak dicht unter der Oberfläche. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Impaktor selbst das Ammoniak zu Charon gebracht hat. Vielleicht enthält aber auch das Innere des Monds größere Mengen an NH3. Das hätte bedeutende Konsequenzen für die geologische Aktivität von Charon: Ammoniak senkt den Schmelzpunkt von Wasser beträchtlich, so dass ein ammoniakhaltiges Gemisch noch bei sehr viel tieferen Temperaturen flüssig ist als reines Wasser. Somit wird beträchtlich weniger Energie für das Aufschmelzen benötigt, und Charon könnte daher sehr viel länger geologisch aktiv gewesen sein.

Östlich von Plutos Herzen (Globalbild)Laden...
Östlich von Plutos Herz | Bislang noch an Bord von New Horizons gespeichert war diese Ansicht des Zwergplaneten vom 13. Juli 2015. Das Bild entstand während des Anflugs aus einer Entfernung von einer Million Kilometern und erreicht eine räumliche Auflösung von 8,3 Kilometern pro Bildpunkt.

Aber auch von Pluto lieferte New Horizons neue Bilder, die seit Mitte Juli 2015 an Bord gespeichert waren. Eins zeigt die Regionen östlich des weißen "Herzens" von Pluto mit einer Auflösung von rund acht Kilometern pro Bildpunkt. Dort schließt sich ein kraterreiches Gebiet mit rauer Oberfläche an. Außerdem gab die NASA das gesamte Bild einer schmalen Plutosichel frei, das in Teilen schon Ende September veröffentlicht wurde. Es entstand rund eine Viertelstunde nach der dichtesten Annäherung aus einer Entfernung von 18 000 Kilometern.

Pluto von hinten (Vollansicht)Laden...
Pluto von hinten | Bislang nur in Ausschnitten veröffentlicht wurde diese eindrucksvolle Ansicht der schmalen Plutosichel. Das Bild entstand eine Viertelstunde nach der dichtesten Annäherung aus einer Entfernung von 18 000 Kilometern.

Die Datenübertragung von New Horizons verläuft bislang ohne Probleme und wird noch rund ein Jahr dauern. Die Sonde wird zudem schon auf ein weiteres Ziel im Kuipergürtel vorbereitet: Am 28. Oktober 2015 wurde der Bordantrieb für das dritte von insgesamt vier Schubmanövern gezündet, um sie auf Kurs zum kleinen Himmelskörper 2014 MU69 zu bringen. Das halbstündige Manöver war erfolgreich, für den 4. November ist die letzte Zündung geplant. Noch hat die NASA diese Fortsetzung nicht offiziell genehmigt, aber die Chancen dafür stehen sehr gut. Wenn alles nach Plan verläuft, wird New Horizons den rund 45 Kilometer großen Himmelskörper am 1. Januar 2019 in geringem Abstand passieren.

44/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44/2015

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