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News: Amphibien auf dem absteigenden Ast

Die Goldkröte von Costa Rica ist nur eines der Opfer - aus allen Teilen der Welt berichten Forscher über einen Rückgang von Amphibienpopulationen. Gleichzeitig rätseln sie über die Ursachen: Ist es nun saurer Regen, der verstärkte Einsatz von Pestiziden, eine erhöhte Sonneneinstrahlung oder sogar eine Kombination mehrerer Faktoren? Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, haben Wissenschaftler Daten von über 900 Amphibienpopulationen aus mehreren Jahrzehnten ausgewertet. Ihre Analyse bestätigt die jüngsten Einzelbeobachtungen. Sie zeigt aber auch tiefe Einschnitte in der Populationsgröße bereits in den sechziger Jahren, von denen sich die Lebensgemeinschaften bis heute nicht erholt haben. Und der Abwärtstrend hält an.
Vor einigen Jahren schlugen Wissenschaftler zum ersten Mal Alarm: Immer mehr Amphibienpopulationen gingen stark zurück, und manche – wie die Goldkröte von Costa Rica (Bufo periglenes) – sind offenbar ausgestorben. Gleichzeitig beobachteten die Forscher, dass die Tiere verstärkt Missbildungen aufwiesen. Die Ursachen jedoch blieben rätselhaft.

Die Daten bezogen sich allerdings meist nur auf einzelne Populationen in kleinen Gebieten mit völlig unterschiedlichen Lebensbedingungen, und oft waren die Beobachtungszeiträume relativ kurz. Daher war es bisher nahezu unmöglich, allgemeine Aussagen über den Trend oder die Ursachen des Amphibiensterbens zu machen. Um geographische oder kurzzeitliche Schwankungen auszuschließen, untersuchten Wissenschaftler um Jeff Houlahan von der University of Ottawa Aufzeichnungen von 936 Amphibienpopulationen aus den Jahren 1950 bis 1997 und nicht veröffentlichte Daten von Herpetologen aus der ganzen Welt (Nature vom 13. April 2000). Insgesamt analysierten sie Werte von 157 Arten aus 21 Familien, für welche die Beobachtungszeiträume zwischen zwei und 31 Jahren schwankten.

Ihre Ergebnisse bestätigen die Einzelbeobachtungen: Rein rechnerisch ermittelten die Forscher eine globale durchschnittliche jährliche Abnahme von vier bis fünf Prozent. Offenbar setzte der Rückgang jedoch schon sehr viel früher ein als bisher angenommen. So fielen die Zahlen in der ersten Hälfte der sechziger Jahre jährlich um etwa 15 Prozent, wovon sich die Populationen anscheinend bis heute nicht mehr erholen konnten. Seitdem gehen die Werte weiter zurück, wenn auch mit etwa zwei Prozent pro Jahr deutlich langsamer. Die Wissenschaftler geben jedoch zu bedenken, dass der Stichprobenumfang in den frühen Jahren sehr viel geringer war als heute, was die Ergebnisse womöglich verfälscht.

Weiterhin verglichen Houlahan und seine Mitarbeiter die Berichte von zunehmenden und zurückgehenden Populationen und stellten fest, dass die Zahl der schwindenden Gruppen überwiegt. Ausgestorben sind von den 936 Lebensgemeinschaften bisher 'nur' 61, und davon nur eine in dem Zeitraum von 1960 bis 1966. Das Team schließt daraus, dass auch noch existierende Populationen schwere Einbußen hinnehmen mussten. Die Frage ist, wieviel sie noch ertragen können, bevor auch sie für immer verschwinden.

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