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Artensterben: Amphibien stärker vom Aussterben bedroht als Vögel und Säugetiere

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Ein Drittel der Amphibienarten weltweit ist vom Aussterben bedroht, die Hälfte befindet sich im Rückgang, und 122 Spezies scheinen seit den 1980er Jahren ganz verschwunden zu sein – viele davon sind womöglich ausgestorben. Und dabei ist bei den meisten Betroffenen keine eindeutige Ursache für die Bedrohung festzustellen. Amphibien sind damit stärker bedroht als Vögel oder Säugetiere, berichten Simon Stuart von der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN und seine Kollegen im ersten weltweiten Überblick zur Situation der Amphibien.

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Gelber Krokodilmolch und Tanganjika-Baumkröte | Oben: Der Gelbe Krokodilmolch (Tylototriton shanjing) lebt in der zentralen, südlichen und westlichen Yunnan-Provinz Chinas und vielleicht auch in Myanmar und wird von den Autoren als "nahe gefährdet" eingestuft. Er ist zwar in einigen Regionen noch sehr häufig, wird aber für Produkte der tradtionellen chinesischen Medizin und für den internationalen Tierhandel für Terrarienhalter gejagt.
Unten: Die lebendgebärende Tanganjika-Baumkröte (Nectophrynoides viviparus) gilt als bedroht. Sie kommt in den Hochlagen der Gebirge im Osten und Süden Tansanias vor, wo durch Abholzung ihr Lebensraum zunehmend zerstört wird.
Über 500 Wissenschaftler hatten im Rahmen des 2001 gestarteten Global Amphibian Assessment Project Daten zur Verbreitung, Häufigkeit und Gefährdungsstatus der 5743 bekannten Amphibienarten gesammelt und ausgewertet. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass 427 Spezies nach der Roten Liste der IUCN als höchst gefährdet eingestuft werden müssen. Insgesamt aber seien die Zahlen wohl eher zu niedrig geschätzt, da für über 1294 seltene Arten zu wenig über ihren Gefährdungsstatus bekannt sei. Nur für ein Prozent der Populationen sei ein Zuwachs zu verzeichnen.

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Harlekinfrosch und Nasikabatrachus sahyadrensis | Oben: Die Populationen des Harlekinfrosches (Atelopus varius) in Costa Rica und Panama gingen in den letzten Jahren dramatisch zurück, weshalb er in die höchste Gefährdungsklasse einzustufen ist. Während einst über hundert Lebensgemeinschaften der Art in Costa Rica bekannt waren, begannen die Bestände in den Nebelwäldern von Monteverde seit 1988 zu schwinden, 1996 galt die Spezies in dem mittelamerikanischen Land als ausgestorben. 2003 wurde jedoch eine kleine Population wiederentdeckt. Forscher vermuten, dass hier Pilzinfektionen eine entscheidende Rolle spielen, die den Tieren im Zusammenhang mit Trockenperioden durch den Klimawandel zu schaffen machen.
Unten: Die erst 2003 in den indischen West-Ghats entdeckte Art Nasikabatrachus sahyadrensis muss ebenfalls als gefährdet betrachtet werden, obwohl nur sehr wenig über sie bekannt ist: Bisher gibt es zwei Fundorte der meist im tiefen Untergrund vergrabenen Spezies.
Seit den 1980er Jahre beobachten Forscher weltweit einen alarmierenden Rückgang der Amphibienpopulationen. Selbst in geschützten Gebieten konnten sie ehemals häufige Arten immer schwerer aufspüren. Als Auslöser des Schwindens werden neben Verlust des Lebensraumes auch Pestizide, UV-Strahlung, Pilzinfektionen bis hin zu Klimawandel und invasive Arten diskutiert. So sind in Europa und Nordamerika wohl vor allem die Zerstörung der Habitate und in Ostasien der Druck durch Jagd hauptverantwortlich. In Süd- und Mittelamerika sowie Australien jedoch, wo der stärkste Rückgang auftritt, sind die Ursachen nach wie vor ein Rätsel.
15.10.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15.10.2004

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