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Zoologie: Angeblich träge Wale jagen im Sprint

Grindwale verfolgen eine enorm dynamisch, gleichzeitig aber überraschend Energie zehrende Jagdstrategie. Spanische Forscher ermittelten, dass die Meeressäuger schnell in größere Tiefen abtauchen und dort mit plötzlichen Tauchsprints hinter offenbar größeren Beutetieren herjagen.

Natacha Aguilar Soto von der Laguna-Universität auf Teneriffa und ihre Kollegen hatten 23 vor den Kanarischen Inseln heimische Kurzflossen-Grindwale (Globicephala macrorhynchus) mit Bewegungssensoren ausgestattet. Dabei zeigte sich, dass jagende Tiere am Tag und in der Nacht innerhalb von nur rund 15 Minuten in Wassertiefen von 800 bis 1000 Metern absteigen. Dort suchen sie in tiefer Dunkelheit mit Hilfe kurzer Sonar-Klicklaute nach Beute. Dieser tauchen sie dann mit plötzlichen, bis zu 200 Meter langen Schwimmsprints hinterher, bei denen sie Geschwindigkeiten von bis zu 32 Kilometern pro Stunde erreichen. Währenddessen steigern sie ihre Sonar-Klickrate auf ein hochfrequentes Brummen.

Diese Jagdweise sei sehr energieaufwändig und lohne sich nur, wenn dabei regelmäßig größere, ausreichend kalorienhaltige Beutetiere gefangen werden, meinen Soto und ihre Kollegen. In Frage als Beute kämen insbesondere schnell flüchtende Weichtiere wie der Riesenkalmar Architeuthis. Bislang hatte man angenommen, dass diese Tiere von viel größeren Walarten wie dem Pottwal erbeutet werden.

Kurzflossen-Grindwale sind bislang vor allem dafür bekannt gewesen, tagsüber ausdauernd an der Wasseroberfläche zu dümpeln. Man hatte daher angenommen, dass die Tiere ausschließlich nachts jagen. Die neuen Erkenntnisse legen nun nahe, dass die trägen Wale sich in flachen Oberflächenwasser von den hohen energetischen Anstrengungen der Tag- und Nacht-Jagd regenerieren. (jo)
16.05.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16.05.2008

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