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Medizin: Angst einflößender Kaffee

Kaffee und Tee, aber auch andere koffeinhaltige Getränke wie Cola oder Kakao sind bei vielen vor allem wegen ihrer anregenden Wirkung sehr beliebt. Manche Menschen reagieren darauf allerdings mit Unruhezuständen, Schweißausbrüchen oder Herzrasen. In einem Gemeinschaftsprojekt der Universitäten von Bristol und Würzburg haben Jürgen Deckert und Peter Rogers nun herausgefunden, warum. Demnach ist eine erbliche Disposition für diese Attacken verantwortlich.

Nicht nur anregend | Eine gute Tasse Kaffee, von den meisten Menschen als anregender Genuss geschätzt, löst bei Trägern einer bestimmten Mutation innere Unruhe, Schweißausbrüche und Herzrasen aus.
Bei den Untersuchungen der beiden Forscher zeigten Probanden mit einer Variante des Gens für den Adenosin-A2A-Rezeptor bei einer bestimmten Koffeindosis, die etwa zwei Tassen Kaffee entsprach, typische Angstsymptome, die – ähnlich dem ansonsten anregenden Effekt der Droge – mit der Zeit wieder abebbten. Der Grund dafür war schnell klar. Normalerweise bindet der A2A-Rezeptor in bestimmten Gehirnregionen den Botenstoff Adenosin, der beruhigend wirkt. Die mutierte Form lagert stattdessen bevorzugt Koffein an. Der Beruhigungseffekt wird so verhindert.

Die Forscher machten jedoch auch eine paradoxe Entdeckung: Vieltrinker mit der Mutation – die übrigens nur dann zum Tragen kommt, wenn sie von beiden Elternteilen vererbt wurde – vertragen höhere Koffeindosen ohne übermäßige Angstreaktionen. Rogers erklärt das mit einem Gewöhnungseffekt. Regelmäßiger hoher Kaffeekonsum führt zu einer vermehrten Ausbildung von Rezeptoren, so dass Adenosin wieder Bindungspartner findet. Rogers empfiehlt daher, die Unverträglichkeit durch schrittweise Steigerung der Dosis und regelmäßigen Kaffeekonsum zu kurieren.

Nicole Wedemeyer

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