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Phobien: Angst kurieren durch Hirnamputation

Üblicherweise wird am Gehirn von Patienten nur herumoperiert, wenn es gar nicht mehr anders geht - denn die Folgen sind nicht absehbar. Selten sind sie zufällig auch erfreulich.
Methylgloxal gegen Angst

Pünktlich zu Halloween hat das Magazin "New Scientist" eine bemerkenswerte Studie aufgestöbert, die schon im Januar publiziert worden ist: Sie berichtet davon, wie Gehirnchirurgen einem Mann die Angst vor Spinnen erfolgreich wegoperierten.

Der 44-jährige Patient aus England hatte wegen zunehmenden Wahrnehmungsstörungen und Anfällen das Krankenhaus aufgesucht, wo schließlich eine seltene Hirnhautentzündung diagnostiziert wurde. Als beste Behandlungsoption blieb den Ärzten eine Hirn-OP: Mit einer Lobektomie entfernten sie Teile der linken Amygdala des Patienten und konnten ihn so heilen. Im Lauf der Zeit bemerkte der Patient aber einige unerwartete, wenn auch schließlich abebbende Nebenwirkungen des Eingriffs. So verursachte Musik etwa für einige Zeit einen Brechreiz.

Erfreulicher war dagegen, dass eine zuvor ausgeprägte Arachnophobie plötzlich völlig verschwunden war und das auch blieb: Früher konnte er den Anblick von Spinnen nicht ertragen, nun hatte er keinerlei Probleme mehr beim Kontakt mit den Achtbeinern, die er jetzt sogar "ziemlich faszinierend" fand. Offenbar waren mit dem entfernten Teil der Amygdala neuronale Mechanismen herausgeschnitten worden, die die Spinnenangst vermittelt haben. Die Verarbeitung von Emotionen und Angst ist eine der vielen bekannten Aufgaben, bei der die Amygdala eine Rolle spielt. Andere Ängste des Patienten – etwa die Furcht, vor einer großen Menschenmenge zu reden – hatte die Operation allerdings in keiner Weise verändert. Dies sei ihres Wissens nach der erste Fall einer selektiven Phobieauslöschung durch eine Amygdalaentfernung, schreiben die behandelnden Mediziner – wie sie genau gewirkt hat, sei ihnen allerdings ein Rätsel.

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