Direkt zum Inhalt

Hirnforschung: Animalischer Reiz

Gefühlsareal des Gehirns reagiert auf Tierbilder.
Vier Tiere
Die Amygdala, eine paarige, mandelförmige Hirnregion auf der Innenseite des Schläfenlappens, ist vor allem bekannt für ihren Beitrag zur Gefühlswelt: Hier werden Reize auf ihren emotionalen Gehalt hin bewertet; es wird geprüft, ob eine Belohnung zu erwarten oder eher zur Flucht geraten ist.

Neben diesen allgemeinen Kategorien verarbeitet insbesondere die rechte Amygdala darüber hinaus auch auf einen ganz konkreten Reiz: Bilder von Tieren, seien es gefährliche oder süße, seltene oder verbreitete Arten, bringen immer einen gewissen Anteil der Amygdalazellen zum Feuern, beobachteten Florian Mormann von der Universität Bonn und seine Kollegen.

Nach Meinung der Forscher spiegelt sich darin die immense Bedeutung von Tieren in der Evolutionsgeschichte des Menschen wider. Dass das Gehirn bei der Verarbeitung von Sinnesreizen Lebewesen aller Art stark bevorzugt, zeigte sich auch schon bei anderen Experimenten.

Für ihre Forschung haben sich Mormann und Kollegen an Epilepsiepatienten gewandt, die kurz vor einer Operation standen. Das erlaubte den Wissenschaftlern, Elektroden in der Amygdala von 41 Freiwilligen zu platzieren. Die Aktivität von insgesamt knapp anderthalb Tausend Neuronen verschiedener Hirnregionen konnten sie so erfassen, während die Probanden auf einem Monitor Fotos vorgespielt bekamen.

Außer Tierbildern gab es auch Abbildungen von Menschen, Landschaften und Gegenständen zu sehen, welche die Amygdalazellen signifikant weniger erregten. Der überwiegende Teil der Hirnzellen reagierte allerdings auf keines der gezeigten Bilder. Zur Hauptaussage ihrer Studie gelangten die Forscher deshalb erst durch umfangreiche statistische Analysen.

Ob auf dem Bild ein Tier zu sehen war oder nicht, beurteilt ersten Untersuchungen zufolge weder die Amygdala selbst, noch andere subkortikale Hirnregionen. Stattdessen müssen die Informationen den langen Weg über die Großhirnrinde und die üblichen Sinnesverarbeitungszentren nehmen – das zeigte die vergleichsweise langsame Reaktion der Neuronen. Die Selektivität für Tierbilder ist demnach nicht Teil eines evolutionsgeschichtlich alten, reflexhaften Systems, das beispielsweise eine automatisierte Flucht- oder Kampfreaktion auslösen könnte. (jd)

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen

Partnerinhalte