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Klimawandel: Antarktis-Eis wächst und schmilzt

Die Gletscher und das Inlandeisschild der Antarktis durchlaufen gegenwärtig unterschiedliche Entwicklungen: Während die Gletscher im Westen und an den Rändern des Südkontinents – vor allem auf der Antarktis-Halbinsel – teils rapide schrumpfen, wächst die Mächtigkeit des ostantarktischen Eisschildes an.

Das ist der Tenor einer Studie von Wissenschaftlern um Curt Davis von der Universität von Missouri. Sie führen beide Prozesse auf den Klimawandel zurück: Die steigenden Durchschnittstemperaturen lassen das Eis in den Randlagen der Antarktis ausdünnen und abschmelzen. Gleichzeitig erhöhen sie die Wanderungsgeschwindigkeit der dortigen Gletscher, die folglich schneller ins Meer strömen und damit ebenfalls zügig Masse verlieren. Beschleunigt wird dieser Prozess zudem durch den Verlust an Schelfeisflächen, die bislang als Bremse wirkten und den Gletschertransport hemmten.

Auf der anderen Seite erhöhen steigende Lufttemperaturen die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Wasserdampf – stärkere Niederschläge in Form von Schnee sind die Folge. Diese gesteigerte Schneezufuhr führt gegenwärtig zu dem Dickenwachstum des ostantarktischen Inlandeises, das die Forscher mit satellitengestützten Radaraufnahmen der jeweiligen Eishöhe von 1992 bis 2003 beobachten und in Einklang mit meteorologischen Niederschlagsschätzungen bringen konnten.

Nachdem die derart gewonnenen Daten um den Betrag isostatischer Hebungs- oder Senkungsprozesse bereinigt waren, ergab sich in der Ostantarktis ein jährlicher Zuwachs des Eisdurchmessers um bis zu sechs Zentimeter, während in der Westantarktis die Werte zwischen einer Abnahme von bis zu 10 und einer maximalen Zunahme von 19 Zentimetern schwanken können. Großflächige Schrumpfung oder Ausdünnung war im Osten nicht nachweisbar.

Demnnach nahm die Eismasse in diesem Teil der Antarktis um etwa 45 Milliarden Tonnen pro Jahr zu, was wiederum den Anstieg des Meeresspiegels um etwa 0,1 Millimeter pro Jahr bremsen konnte. Im Moment steigen die Pegel der Ozeane dennoch jährlich ungefähr 1,8 Millimeter an – verursacht durch starkes Abtauen auf Grönland und der Antarktischen Halbinsel sowie die Ausdehnung des Wassers durch die Temperaturerhöhung.

Die Wissenschaftler konnten aber die schmelzenden Gletscherränder nicht in der Exaktheit wie das Inlandeis messen. Deshalb bleibt die genaue Massenbilanz des ostantarktischen Eisschilds vorerst noch ein Rätsel für die Forschung. Gegenwärtig erwärmt sich vor allem die Antarktische Halbinsel schneller als jeder andere Ort der Erde. Chris Ripley vom British Antarctic Survey spricht wegen dieser Vorgänge auch vom erwachenden Eisriesen.
21.05.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21.05.2005

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