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Antarktis: Eisberg A23 wird zum Riesenpool

A23 war lange der größte, bekannte Eisberg der Erde. Doch 2025 begann er zu zerfallen. Für Überraschungen ist der Koloss aber weiterhin gut, wie ein Satellitenbild zeigt.
Luftaufnahme eines großen, unregelmäßig geformten Eisbergs, der im dunklen Wasser treibt. Der Eisberg ist von schmelzendem Eis und kleineren Eisschollen umgeben. Die Oberfläche des Eisbergs zeigt eine Mischung aus hellem Blau und Weiß, was auf die unterschiedlichen Eisschichten hinweist. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Kälte und Isolation.
Noch treiben Teile des Eisbergs A23 durch das Südpolarmeer: Ein See aus Schmelzwasser auf dem Eis könnte sein Ende beschleunigen.

Die Geschichte von Eisberg A23 begann 1986, als der Koloss vom Filchner-Eisschelf brach und seine Reise durch das Südpolarmeer startete (auch wenn A23 schnell stecken blieb und erst ab 2020 tatsächlich über größere Distanzen zu driften begann): Er gilt als einer der größten und langlebigsten Eisberge, die Wissenschaftler überwachten. Ursprünglich 4000 Quadratkilometer groß, ist er laut Daten des U.S. National Ice Centers bis Januar 2026 auf 1182 Quadratkilometer geschrumpft, nachdem mehrere große Stücke 2025 abgebrochen sind. Ein Satellitenbild der NASA zeigt, dass das größte Teilstück von A23 inzwischen einem blauen Pool gleicht, da die Oberfläche weitgehend mit Schmelzwasser bedeckt ist – ein sicheres Anzeichen für den baldigen, kompletten Zusammenbruch des einstigen Giganten.

Das Satellitenbild und Aufnahmen von der ISS zeigen einen weißen Rand rund um den Pool, der das Wasser auf dem Eisberg zurückhält. Verursacht wird diese »Stauwand« durch einen speziellen Effekt, der bei sehr großen Tafeleisbergen wirkt: Schmelzen dessen Ränder an der Wasserlinie, biegt sich die restliche Eisbergplatte aufwärts. Während sich das Schmelzwasser tiefer in die Oberfläche von A23 einarbeitet, krümmen sich die äußeren Ränder zu einer Art bogenförmigen Staumauer, die das Wasser zurückhalten – zumindest solange dieses Wasser keinen Weg durch den Eiswall nach außen findet.

Stellenweise scheint das schon passiert zu sein, wie ein Blick auf die linke Seite des Eisbergs andeutet: Hier kam es zu einem sogenannten Blowout, bei dem der Druck des Wassers ein Loch in den Eiswall gebrochen hat. Dadurch ergoss sich das Schmelzwasser zusammen mit Eisstücken in den Ozean und bildete dort eine Süßwasser-Eis-Linse, die sich erst nach und nach auflöst.

Der Pool auf A23 ist jedoch nicht einheitlich blau, sondern wird immer wieder von weißen Streifen durchzogen. Diese Eisgrate sind nach Ansicht der NASA-Experten Relikte aus früheren Zeiten, als A23 noch Teil eines Gletschers war, der über das antarktische Grundgestein strömte. Dieses bildete sich dann auf der Gletscheroberfläche in Form von Tälern und Graten ab, die selbst lange Zeit danach noch vorhanden sind und nun die Ausbreitung des Schmelzwassers beeinflussen.

Insgesamt umfasst der Pool wohl mehrere Milliarden Liter Schmelzwasser, die den Zerfall von A23 endgültig besiegeln dürften, so die NASA-Wissenschaftler. Das Wasser verstärkt die Schmelze an der Oberfläche; gleichzeitig sickert es in Spalten und Risse und taut dort weiteres Eis auf, wodurch sich diese Schwachstellen vergrößern. Zudem treibt der Eisberg in einer Strömung, die ihn in zunehmend wärmeres Ozeanwasser führt, sodass er auch von außen weiter bearbeitet wird. Der Glaziologe Chris Shuman von der University of Maryland Baltimore County geht daher davon aus, dass dieser noch vorhandene große Rest von A23 den Südsommer nicht überstehen wird. Schon in wenigen Tagen oder Wochen könnte er endgültig Geschichte sein.

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