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Antarktis: Urtümliches Ökosystem im blutenden Gletscher

Der »blutende Gletscher« ist ein Naturphänomen in der Antarktis. Nun bestätigt sich: Die Eiszunge überdeckt wohl einen isolierten Salzwassersee.
Eine Landschaftsaufnahme zeigt eine felsige Bergkette mit schneebedeckten Gipfeln unter einem klaren blauen Himmel. Im Vordergrund ist ein Gletscher zu sehen, aus dem rostfarbenes Wasser fließt, das sich über das Eis und den Boden erstreckt. Die Szene vermittelt eine karge, aber beeindruckende natürliche Umgebung.
Der Taylor-Gletscher entlässt immer wieder rostrotes Wasser in die Umgebung im antarktischen McMurdo-Tal.

Die antarktischen McMurdo-Trockentäler gehören zu den lebensfeindlichsten Regionen der Erde: Es ist dort nicht nur sehr kalt, sondern auch knochentrocken. Im Umfeld des Taylor-Gletschers jedoch blüht das Leben, zumindest das mikrobielle: Regelmäßig tritt Wasser aus dem Eis aus, das einen kleinen See speist, und wo Wasser ist, ist auch Leben. Doch die Mikrobengemeinschaften unterscheiden sich ebenfalls relativ extrem, wie eine Studie von Angela Zoumplis von der University of California in San Diego und ihrem Team zeigt. Denn eine Besonderheit des Taylor-Gletschers ist sein rostroter, sehr salzreicher Ausfluss, in dem ganz andere Organismen leben können als in benachbarten Böden oder im Süßwasserbereich des Lake Bonney vor dem Eis.

Für ihre Arbeit hatten Zoumplis und Co 167 Wasser-, Boden- und Luftproben in den McMurdo-Trockentälern gesammelt, um die Herkunft der Mikroorganismen am Taylor-Gletscher und den Blood Falls – den rostroten Wasseraustritt – zu erklären. Mithilfe verschiedener genetischer Methoden identifizierten sie zahlreiche eukaryotische und prokaryotische Taxa in den Proben. Dabei zeigte sich, dass die Mikroben im rot gefärbten Eis, Schlamm und Sediment am Gletscherende fast ausschließlich mit Meereslebensräumen assoziiert sind. Im Gegensatz dazu dominierten in angrenzenden Standorten Süßwasser- oder terrestrische Gemeinschaften.

Ein Vergleich der Eukaryotengemeinschaften direkt am Austritt der salzhaltigen Lösung mit Proben aus dem nahen Antarktischen Ozean zeigte, dass ihre jeweilige Zusammensetzung zu fast zehn Prozent übereinstimmte. Weiter entfernt davon sank dieser Anteil auf etwas mehr als ein Prozent. Auch das weise auf eine starke marine Prägung der durch Sole gespeisten Gemeinschaft hin, schreiben die Wissenschaftler. 

Diese Ergebnisse stützen die These, dass das Wasser unter dem Taylor-Gletscher von altem Meerwasser stammt und später vom Eis überdeckt wurde. Ursprünglich reichte der Ozean während einer Warmzeit bis in die Trockentäler. Als sich die Erde jedoch wieder abkühlte und der Meeresspiegel sank, wurde dieser Salzwassersee zusammen mit den darin lebenden Mikroorganismen isoliert und danach vom vorrückenden Eis überdeckt. Andere Thesen wie den Transport der Mikroben durch die Luft vom Ozean ins Trockental schließen die Forscher dagegen weitgehend aus: Dies spiele nur eine sehr untergeordnete Rolle. 

Genauere genetische Studien, etwa über die Mutationsrate der Mikrobengemeinschaften, sollen herausfinden, wann genau das Salzwasser vom Rest des Ozeans abgeschnitten und vom Eis überdeckt wurde. Bislang wird dies auf die Zeit vor 1,5 Millionen Jahren datiert.

  • Quellen

Zoumplis, A. et al., Nature Geoscience 10.1038/s41561–026–02054–6, 2026

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