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News: Antibiotika nach Maß

Besonders in Krankenhäusern sind sie sind gefürchtet: Bakterien des Stammes Staphylococcus aureus verursachen schwerste Erkrankungen und erweisen sich dabei immer häufiger als resistent gegenüber menschlichen Abwehrversuchen. Ein neuer Ansatz gibt Grund zur Hoffnung.
Phage T4Laden...
Sie sind klein. Winzig sogar und doch so gefährlich. Bakterien schaffen es mühelos, Riesen wie uns Menschen niederzustrecken. Häufig sind wir ihren Angriffen hilflos ausgeliefert – dann nämlich, wenn unsere "Wunderwaffe" Antibiotika versagt. Denn nach und nach haben die Bakterien Resistenzen entwickelt, die sie unempfindlich machen gegenüber unseren Abwehrversuchen.

Doch unbezwingbar sind auch sie nicht: Werden die Krankheitserreger von Phagen befallen – Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren – bedeutet das zumeist ihr Ende.

Was aber können diese Phagen, was wir nicht können? Das fragte sich Jinzi Wu von der kanadischen Firma PhageTech. Es muß in den Genen liegen, vermutete er und begann seine Suche bei unterschiedlichen Phagen-Stämmen, die das Bakterium Staphylococcus aureus befallen. Jedes einzelne Gen dieser Phagen schleuste die Arbeitsgruppe um den Wissenschaftler in Bakterien ein und überprüfte, wie die Bakterien darauf reagierten.

Die Ergebnisse waren vielversprechend: Manche Gene verhinderten erfolgreich das Wachstum der Krankheitserreger. Insgesamt konnten die Forscher auf diese Weise 31 Familien von Eiweißstoffen identifizieren, welche die Vermehrung der Krankheitserreger stoppen, indem sie vor allem die Verdopplungs der bakteriellen DNA oder deren Abschrift in Boten-RNA verhinderten.

Eines dieser Phagen-Moleküle war ORF104. Wird es im Bakterium gebildet, blockiert es dort das bakterielle Protein DnaI, das bei der Neubildung der bakteriellen DNA von Bedeutung ist. Da DnaI ausschließlich in Bakterien vorkommt, sollte seine Stilllegung menschlichen Zellen nichts anhaben.

Die Wissenschaftler fahndeten nun nach Molekülen, die DnaI auf die gleiche Weise ausschalten konnten wie ORF104. Über 125 000 Verbindungen überprüften sie infolgedessen und fanden dabei einige äußerst vielversprechende Kandidaten, die das Wachstum von Staphylococcus aureus eindrucksvoll verhindern konnten.

"Der Kampf gegen die zunehmende bakterielle Resistenz braucht neue Klassen von Antibiotika, die gegen neue Zielmoleküle gerichtet sind", erklärt Wu. Sein Ansatz der zielgerichteten Suche nach speziellen Inhibitoren sei ein äußerst vielversprechender Weg, neue Wirkstoffe gegen unterschiedlichste Bakterien-Spezies zu finden.

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  • Quellen
Nature Biotechnology 10.1038/nbt932 (2004)

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