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Psychopharmaka: Antidepressiva beeinflussen Entwicklung junger Mäuse

Das Antidepressivum Fluoxetin wirkt sich auf die emotionale Entwicklung junger Mäuse und ihr Verhaltensrepertoire im Erwachsenenalter aus. Dies berichten Wissenschaftler der Columbia-Universität.

Eine Maus im Verhaltenstest | Wie bereitwillig Mäuse unbekanntes Terrain erkunden, wird als Anhaltspunkt für depressionsähnliche Verhaltensauffälligkeiten herangezogen. Nager, die in ihrer frühen Jugend mit Antidepressiva, so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, behandelt wurden, zeigten sich in derartigen Experimenten weniger neugierig als gesunde Artgenossen.
Die Forscher hatten gesunde Mäuse kurz nach der Geburt mit dem Antidepressivum behandelt. An den erwachsenen Tieren waren daraufhin Abweichungen vom normalen Neugierde- und Erkundungsverhalten sowie bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten.

Insgesamt ähnelten die Reaktionen der behandelten Tiere dem von transgenen Tieren mit defekten 5-HT-Serotonin-Transportern, einem für Angstzustände, Depressionen und Neurosen anfälligen Tiermodellstamm. Nach Ansicht der Forscher könnte die frühe Gabe von Fluoxetin – eines so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers (SSRI), der auf 5-HTT direkt einwirkt – in die normale Ausbildung dieser Transporter in gesunden Jungtieren eingreifen, was später möglicherweise die Ursache der Verhaltensänderung bei den erwachsener Tieren war.

Manipulationen des gehirneigenen Serotonin-Stoffwechsel heranwachsender Mäuse mit SSRI-Wirkstoffen könnten demnach die Gefahr bergen, später psychiatrische Störungen hervorzurufen. Nach Ansicht der Forscher sollte in klinischen Studien dringend geklärt werden, ob dieser Zusammenhang auch für den Menschen zutrifft. Auch hier sind die 5-HT-Transporter Ziel des Fluoxetin-Wirkstoffes, einem in den USA häufig auch bei Kindern und Jugendlichen gegen Depressionen verschriebenen Präparat.

Die Gabe von SSRI-Medikamenten wie Fluoxetin an Heranwachsende gilt seit kurzem als umstritten, nachdem in einigen Untersuchungen von vermehrtem Auftreten von Selbstmordgedanken bei behandelten Jungendlichen berichtet worden war. Die zugrundeliegenden Studien werden kontrovers diskutiert und sind nicht allgemein anerkannt. Erst Mitte Oktober forderte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA nach der Befragung eines Expertengremiums aber die Hersteller von SSRI-Präparaten dazu auf, in ihre Beipackzettel den Hinweis auf das mögliche Risiko vermehrter suizidalerGedanken aufzunehmen.

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