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Parasiten: Was in römischen Nachttöpfen schlummerte

Allerlei Parasiten plagten die Menschen der Antike. Welche Erreger genau, haben Fachleute an Nachttöpfen untersucht und dabei gleich noch römische Toilettensitten aufgedeckt.
Zwei Personen in einem Raum führen archäologische Arbeiten durch. Eine Person hält ein großes, restauriertes Keramikgefäß, während die andere mit einem Maßstab die Höhe des Gefäßes misst. Beide tragen weiße T-Shirts und die Person, die das Gefäß hält, trägt Handschuhe. Im Hintergrund sind ein Wasserspender und eine Tür zu sehen.
Die Fachleute bei der Arbeit: Studienleiterin Elena Klenina (links) und Coautor Andrew Biernacki von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen vermessen einen der römischen Nachttöpfe.

Wo einst wohl niemand freiwillig hineinfassen wollte, kratzen Wissenschaftler heute historische Hinterlassenschaften ab. Gemeint sind Nachttöpfe aus Ton, die im 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. in den römischen Städten Novae und Marcianopolis in Gebrauch waren. In den Überresten der ausgehärteten Fäkalien hat eine Arbeitsgruppe um Elena Klenina von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen Spuren von Parasiten entdeckt, die Auskunft über die Gesundheit der Menschen an der unteren Donau geben. Wie die Fachleute in »npj Heritage Science« berichten, entdeckten sie drei Parasitenspezies, darunter Cryptosporidium parvum, dessen Ursprung in Mittelamerika vermutet wurde. Zudem geben die Ergebnisse Aufschluss über antike Toilettengepflogenheiten.

Die Tontöpfe, die Klenina und ihr Team untersuchten, kamen an Fundplätzen im heutigen Bulgarien zum Vorschein: zum einen in den Räumlichkeiten einer antiken Villa in Novae und zum anderen in einer Werkstatt in Marcianopolis. Die Forscher nahmen Proben von den mineralisierten Fäkalien. Diese betrachteten sie unter dem Mikroskop, untersuchten sie mithilfe genetischer Analysen und eines Enzymimmunoassays (ELISA). Bei dieser Methode kommen Antikörper zum Einsatz, die sich jeweils gegen ein bestimmtes Antigen richten. Handelt es sich dabei um solche, die an der Oberfläche der Erreger vorkommen, lassen sich diese nachweisen.

In der Toilette aus Marcianopolis konnten die Fachleute keine Spur von Parasiten finden; in zwei Töpfen aus Novae hingegen wurden sie fündig: Es gab Hinweise auf Vertreter der Gattung Taenia (Bandwürmer) sowie der Arten Entamoeba histolytica und Cryptosporidiumparvum.

E. histolytica verursacht die Amöbenruhr, die mit Bauchschmerzen und blutigen Durchfällen einhergehen kann. C. parvum löst ebenfalls Durchfall aus, der im Normalfall bald wieder von allein abklingt. Die von ihm ausgehende Kryptosporidiose kann aber für Kinder und Ältere gefährlich werden.

Laut Klenina und ihrem Team bezeugt der Fund von C. parvum, dass der Erreger vor rund 1800 Jahren an der unteren Donau verbreitet war – und damit an bislang unbekannter Stelle. Zuvor gab es bereits Nachweise aus Mittelamerika, die ungefähr 1400 Jahre zurückreichen. Die Region war deshalb als Ursprung der Erkrankung vermutet worden. Allerdings gibt es inzwischen auch einen vorgeschichtlichen Beleg von den Balearischen Inseln, der circa 5000 Jahre alt ist. Die Herkunft aus Amerika ist daher mit dem Fund aus Novae noch fraglicher geworden.

Wann die Nachttöpfe geleert wurden

Vermutlich steckten sich die Menschen damals ähnlich mit den Parasiten an wie heute: Bei E. histolytica und C. parvum geschieht das häufig über die sogenannte fäkal-orale Route. Ihre extrem widerstandsfähigen Oozysten – ein Dauerstadium der Erreger, das Infizierte mit ihrem Kot ausscheiden – können so über verunreinigtes Wasser, unzureichende Handhygiene nach dem Toilettengang oder über mit menschlichen Fäkalien gedüngte Feldfrüchte von Mensch zu Mensch überspringen. Auch eine Ansteckung über die Ausscheidungen von infizierten Tieren ist möglich. Taenia fängt man sich hingegen häufig über kontaminiertes Fleisch ein, das nur unzureichend durchgekocht wurde. 

Über die Toilettensitten der Römer gab es ebenfalls Erkenntnisse: So war einer der Nachttöpfe offenbar durchweg zu zwei Dritteln seiner Höhe mit Fäkalien gefüllt. Das gesamte Fassungsvermögen dieser Keramik lag bei dreieinhalb Litern. »Das legt nahe, dass mehrere Individuen den Topf benutzten, und seine Inhalte nicht nur Urin, sondern auch deren Kot umfassten«, heißt es in der Studie. Die Behälter, die vermutlich vor allem für den nächtlichen Toilettengang gedacht waren, wurden demnach bei ein bis zwei Litern Füllstand entleert – und damit laut der Fachleute eher häufig.

  • Quellen

Klenina, E. et al., npj Heritage Science 10.1038/s40494–026–02475-x, 2026

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