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Italien: Antikes Blei für Teilchenphysiker

Il Nuovo Saggiatore / Società Italiana di Fisica di Bologna
Wenn Physiker Archäologen helfen, ist das heute nichts Ungewöhnliches mehr. Wenn umgekehrt Archäologen Physikern helfen, dann ist das schon etwas Besonderes. So wie im Fall des italienischen Istituto Nazionale di Fisica Nucleare. Dort hat man mit großer Spannung die Lieferung von Bleibarren erwartet – Bleibarren, die vor über 2000 Jahren in einer römischen Hütte gegossen wurden.

Diese Bleibarren ... | ... wurden vor der sardinischen Küste geborgen. Ein Hobbytaucher war auf sie gestoßen.
Die Archäologen hatten sie in einem Schiffswrack vor der sardinischen Küste gefunden. Für die Teilchenphysiker sind die gut 30 Kilogramm schweren stabförmigen Barren so nützlich, weil sie nahezu kein radioaktiv strahlendes Blei-210 mehr enthalten. Somit eignen sie sich besonders gut, um wichtige Experimente mit Neutrinos vor Strahleneinflüssen zu schützen.

Der Grund für die geringe Blei-210-Konzentration liegt darin begründet, dass jene Bleibarren so lange am Meeresgrund lagen – und das natürlich vorkommende und instabile Blei-210-Isotop so weit zerfallen konnte, dass seine Strahlung nur noch ein 100.000stel beträgt. Ein Glücksfall für die Forscher um Lucia Votano, die händeringend nach möglichst strahlungsfreiem Blei für die Abschirmung ihrer Experimente suchen.

Die Inschriften auf den Bleibarren ... | ... bezeichnen den Hersteller – beispielsweise Quintus Appius, Carulius Hispalius und andere Römer mehr, die im heutigen Spanien Blei schmolzen.
Dass die Physiker ihren Fund kurzerhand für ihre Zwecke einschmelzen, ist für die Archäologen relativ leicht zu verschmerzen. Sie haben nur die Barren ausgesucht, die keinerlei Markierungen oder Inschriften auswiesen – und somit von geringem wissenschaftlichen Wert sind.

Claudia Reinert

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