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News: Appetitlicher Anblick

Läuft Ihnen manchmal beim bloßen Anblick Ihrer Lieblingsspeise das Wasser im Munde zusammen? Dann ist bei Ihnen - nach dem neuesten Stand der Dinge - alles in Ordnung. Denn allein der Geruch und eine winzige Geschmacksprobe einer Leckerei auf der Zunge kurbeln das Belohnungssystem im Gehirn an und überschwemmen es mit dem Botenstoff Dopamin. Die Forscher erhoffen sich aus diesen Ergebnissen nun Hinweise darauf, warum manche Menschen mehr essen, als ihnen gut tut, und vom Essen regelrecht abhängig werden.
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Belohnungen kommen nicht immer aus unserer Umwelt – etwa in Form einer Gehaltserhöhung oder einem anerkennenden Wort. Auch unser Gehirn besitzt ein so genanntes Belohnungszentrum, das der Fachwelt besonders gut aus der Drogenforschung bekannt ist. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt dabei der Botenstoff Dopamin. Indem er sich an spezielle Oberflächenproteine heftet, stimuliert er eine bestimmte Gehirnregion und lässt uns wohlige Schauer über den Rücken rieseln.

In diesen Kreislauf greifen nun Drogen wie Kokain ein, indem sie die Konzentration des Dopamins im Gehirn steigern. Gleichzeitig zeichnen sich die Süchtigen durch weniger Dopaminrezeptoren auf der Oberfläche der Nervenzellen aus – um dieselbe Wirkung zu erleben, brauchen diese Menschen daher mehr Dopamin.

Ein derart geringe Rezeptorbesatz ist jedoch nicht nur auf Drogenabhängige beschränkt, sondern tritt auch bei Menschen mit Fettleibigkeit auf, wie Wissenschaftler des Brookhaven National Laboratory bereits letztes Jahr entdeckten.Nun haben die Forscher um Nora Volkow neue Ergebnisse zur Rolle des Dopaminkreislaufs bei der Nahrungsaufnahme.

Um herauszufinden, wie sich der bloße Anblick und der verlockende Geruch der persönlichen Lieblingsspeise auf das Gehirn auswirkt, führten sie gesunde Testpersonen in Versuchung. Die Forscher erwärmten die als persönliche Favoriten angegebenen Speisen, sodass den Probanden ein verlockender Geruch an die Nase drang. Außerdem tupften ihnen die Wissenschaftler minimale Spuren des Essens mit einem Wattebausch auf die Zunge. Die Kontrollgruppe musste stattdessen ihren Familienstammbaum möglichst detailliert aufzählen.

Beide Gruppen sollten nun anhand einer Skala von 1 bis 10 beschreiben, ob sie sich hungrig fühlten oder Verlangen nach Essen verspürten. Die erste Bestandsaufnahme erfolgte vor der Nahrungsstimulation und dann 40 Minuten lang immer in fünfminütigem Abstand. Zusätzlich zu den subjektiven Zustandsbeschreibungen warf das Forschungsteam einen Blick in das verführte Gehirn. Mithilfe der so genannten Positronen-Emissions-Tomographie beobachteten die Forscher die Dopaminrezeptoren und wieviele von ihnen durch den Botenstoff besetzt waren.

Da das Molekül an sich für die in Augenschein nehmende Technik unsichtbar ist, wendeten die Forscher einen Trick an: Sie markierten einen Nebenbuhler des Botenstoffs mit einer radioaktiven Fahne und injizierten dies den zehn am Test teilnehmenden Freiwilligen. In Konkurrenz zum Dopamin band die radioaktive Substanz nun am Rezeptor und wurde für das Forscherauge sichtbar. Je mehr markierte Substanz am Rezeptor anheften konnte, desto niedriger war die Konzentration des natürlichen Botenstoffs und umgekehrt.

Volkow und ihre Kollegen durchleuchteten die Gehirne in einem Zeitraum von zwei Tagen insgesamt vier Mal. Hierbei wurde deutlich, dass die duftenden und schmackhaften Appetithappen die Konzentration des Botenstoffs stark ansteigen ließen. In Übereinstimmung mit der zunehmenden Flut im Gehirn berichteten die Probanden auch von einem Hungergefühl und aufkommenden Gelüsten.

Zusätzlich verabreichten die Forscher den Probanden die Substanz Methylphenidat, die – bekannt als Ritalin – unter anderem zur Behandlung von hyperaktiven Kindern mit einer Aufmerksamkeitsstörung eingesetzt wird. Geruch und minimale Kostprobe der unerreichbaren Speise in Kombination mit Ritalin steigerte die extrazelluläre Dopaminkonzentration im dorsalen Striatum.

Und das ist überraschend, denn diese Gehirnregion ist an der Planung von Handlungen und der Verhaltenssteuerung beteiligt. Es ist aber nicht dafür bekannt, bei der Belohnung durch Essen eine Rolle zu spielen. Bisher galt das ventrale Striatum – und hier besonders der Nucleus Accumbens – als für diesen Bereich zuständig. Somit wäre womöglich das Rätsel darum gelöst, warum manche Menschen mehr essen als ihnen gut tut: Sie sind vom Essen genauso abhängig wie Drogensüchtige etwa von Kokain. Hilfe brauchen beide.

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