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Fossilienanalyse: Archaeopteryx flog doch - aber anders als gedacht?

Ob sich Archaeopteryx aktiv in die Luft schwingen konnte, ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Eine Untersuchung seiner Knochen macht ihn nun zum echten Flieger.
Rekonstruktion eines aktiv fliegenden Archaeopteryx

Archaeopteryx könnte doch ein aktiver Flieger gewesen sein. Das jedenfalls legt der Aufbau seiner Armknochen nahe, wie Forscher um Dennis Voeten von der Palacký Universität im tschechischen Olmütz schreiben. Die Flugeigenschaften des 150 Millionen Jahre alten Vogelverwandten dürften dennoch eher bescheiden ausgefallen sein: Ein ins Jura zurückversetzter Beobachter würde sich eher an einen heutigen Fasan erinnert fühlen als an einen agilen Raubvogel oder einen Langstreckenflieger.

Um zu klären, ob das Skelett des "Urvogels" auf den aktiven Flug hin optimiert war, studierte das Team um Voeten drei Archaeopteryx-Fossilien mit Hilfe hochauflösender Röntgenscans an der Europäischen Synchrotronstrahlungsquelle ESRF in Grenoble. Die dabei aufgenommenen virtuellen Querschnitte der Armknochen verglichen sie anschließend mit denen moderner und ausgestorbener Tierarten. Dabei entsprachen die Archaeopteryx-Knochen am ehesten denen von flugfähigen Vögeln und Flugsauriern, erklären die Forscher im Fachmagazin "Nature Communications". Die größte Ähnlichkeit gab es zu Vögeln, die nur gelegentlich abheben, um kurze Distanzen zu überwinden oder einem Raubtier auszuweichen – so wie es heutzutage beispielsweise Fasane tun.

Zweifel an der Flugfähigkeit von Archaeopteryx rühren daher, dass er zwar mit seiner Körperform und seinem Federkleid an moderne Vögel erinnert, doch im anatomischen Detail von ihnen abweicht: Die Form seines Schultergelenks lässt nicht zu, seine Flügel auf vogeltypische Art zu schwingen, auch fehlte ihm dazu wohl die geeignete Brustmuskulatur. Das Wissenschaftlerteam vermutet nun, dass Archaeopteryx und anatomisch ähnliche Arten derselben Epoche beim Fliegen eine andere Haltung einnahmen und die Flügel anders bewegten als Spatz und Co. Wie das im Detail ausgesehen haben könnte, wissen die Forscher allerdings noch nicht. Die Armbewegung könnte eher wie das Zugreifen mit beiden Flügeln abgelaufen sein. Möglicherweise spielte auch der lange Schwanz, den Archaeopteryx im Unterschied zu heutigen Vögeln noch aufwies, eine Rolle.

Fossil im Strahl des ESRF
Fossil im Strahl des ESRF | Die Forscher fertigten mit Hilfe der Synchrotronstrahlungsquelle eine Mikrotomografie von drei Archaeopteryx-Fossilien an. Der extrem starke Strahl erlaubt es, auch die noch im Stein verborgenen Teile des Fundstücks zerstörungsfrei auf mikroskopischem Maßstab zu analysieren.

Archaeopteryx – der nicht direkt mit den heutigen Vögeln verwandt ist – zeigt ein eigentümliches Mosaik an körperlichen Merkmalen, die ihn mal eher zu den Dinosauriern und mal eher zu den Vögeln stellen. Alle derzeit bekannten Fossilien stammen aus einer einzigen Fundstelle, dem Solnhofener Plattenkalk im Altmühltal. Zu Zeiten des Archaeopteryx erstreckte sich hier ein tropisches Meer mit zahlreichen kleinen Inseln. In einer solchen Umwelt könnte eine Fähigkeit zum "Inselhopping" nützlich gewesen sein, erläutert Koautor Martin Röper von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München.

11/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11/2018

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