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Klimawandel: Arktis durch globale Erwärmung stark bedroht

Die Arktis erwärmt sich beinahe doppelt so schnell wie der restliche Planet und damit weitaus aus stärker als bislang vermutet. So sind die mittleren Wintertemperaturen in den arktischen Regionen Alaskas, Westkanadas und Ostrusslands in den letzten fünfzig Jahren um drei bis vier Grad Celsius gestiegen und sollen sich in den kommenden hundert Jahren um weitere vier bis sieben Grad Celsius erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Studie des Arktischen Rates, in deren Rahmen 300 Wissenschaftler die Entwicklung in den Polarregionen über vier Jahre hinweg verfolgt und die zukünftige Entwicklung modelliert haben.

Die Wissenschaftler warnen, dass durch die Erwärmung mindestens die Hälfte des sommerlichen Packeises bis zum Ende des Jahrhunderts verschwinden wird. Auch die Eisdecke Grönlands soll stark schwinden. Dies hätte nicht nur einen Anstieg des Meeresspiegels um geschätzt einen Meter zur Folge, sondern auch dramatische Auswirkungen auf die Tierwelt wie den Eisbären und verschiedene Robbenarten, die in den Packeisregionen leben: Sollte der Arktische Ozean im Sommer eisfrei werden, wären sie vom Aussterben bedroht.

Schon ein Rückgang dieser Populationen hätte darüber hinaus auch einen großen Einfluss auf die Jagd der lokalen Bevölkerung und bedroht damit das Überleben dortiger Kulturen. Sprecher der indigenen Gruppen fürchten zudem um die Bestände von Karibus und Rentieren, da sich mit der Erwärmung für die Tiere das Nahrungsangebot verändert und so vielleicht die Wanderrouten beeinflusst werden. Außerdem prognostizieren die Modelle häufigere Stürme für die Küstenregionen und ein Auftauen der Permafrostgebiete, was wiederum Straßen, Überlandleitungen und ähnliches durch unsicheren Untergrund gefährdet. Die schwindende Eisdecke könnte auch dazu führen, dass weniger Sonneneinstrahlung reflektiert wird, was den Planeten weiter erwärmt und so die Entwicklung beschleunigt.

Der Arktische Rat ist ein Forum der acht Arktis-Anrainerstaaten und sechs Organisationen der indigenen Völker, dem auch ständige Beobachter aus dem internationalen Naturschutz wie der WWF angehören.
09.11.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 09.11.2004

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