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Klimawandel: Arktische Wärme lässt Rentiere verhungern

Ein warmer, nasser Dezember ließ die Weiden der Tiere vereisen - und solche Hungerwinter werden häufiger.
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Hunderte Rentiere verhungerten auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen – mehr als jemals zuvor in 40 Jahren. Hintergrund des Massensterbens sei wohl letztendlich die Erwärmung der Arktis, sagten Fachleute vom Norwegischen Polarinstitut (NPI) gegenüber dem norwegischen Fernsehsender NRK. Durch den ungewöhnlich milden Winter habe es im Dezember stark geregnet, anschließend sei die durchnässte obere Bodenschicht gefroren, so dass die Tiere nicht mehr an Nahrung kamen. Rentiere finden im Winter Futter, indem sie die Schneeschicht wegscharren und dünne gefrorene Schichten mit ihren Hufen aufbrechen; doch wenn es regnet und die Temperatur anschließend unter den Gefrierpunkt fällt, fehlt die schützende Schneedecke, so dass der feuchte Boden viel tiefer gefriert als üblich. Durch die Erwärmung der Arktis werden milde und regnerische Episoden rund um den Polarkreis häufiger und damit auch Hungerwinter für Rentiere.

Dass ein Teil der Rentiere im harten arktischen Winter verhungert, ist normal – besonders wenn die Population im Sommer zuvor stark wuchs, was 2018 der Fall war. Außerdem essen die Tiere im Notfall auch Seetang, um Hungerphasen zu überbrücken. Doch schon seit Jahren deuten Beobachtungen und Statistiken darauf hin, dass die sich immer stärker erwärmende Arktis die Fähigkeit der Tiere übersteigt, mit widrigen Bedingungen fertigzuwerden. Um mehr als 50 Prozent seien die Populationen von Rentieren rund um den Polarkreis in den letzten zwei Jahrzehnten eingebrochen, schrieb ein Team von der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde 2018 – in der nordamerikanischen Arktis seien einige Herden nahezu ausgelöscht worden. In der russischen Arktis starben im Jahr 2013 insgesamt 61 000 Rentiere, ebenfalls nachdem starke Regenfälle in einem milden Winter sie von ihrer Nahrung abschnitten. Die Rentiere haben wichtige Funktionen im Ökosystem inne; Fachleute fürchten, dass schwindende Populationen das Gleichgewicht der Tundrapflanzen bedroht. Außerdem nutzen auch menschliche Gemeinschaften in der Arktis das Rentier.

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