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Arktis: Der Sommer, der das Eis zurückbrachte

Die Nachrichten aus der Arktis werden dominiert vom Eisverlust. Doch eine Momentaufnahme aus dem Sommer 2013 zeigt, dass das Meereis auch stark zurückkommen kann.
endloses EisLaden...

Seit Ende der 1970er Jahre und dem Beginn moderner Aufzeichnungen hat das arktische Meereis pro Jahrzehnt durchschnittlich mehr als zehn Prozent an Fläche verloren. Zudem ersetzte zunehmend dünnes saisonales Eis das mehrjährige, dickere Dauereis. Doch das Jahr 2013 machte davon eine bemerkenswerte Ausnahme, wie eine Studie von Rachel L. Tilling vom University College London und ihrem Team zeigt: Kühle Bedingungen sorgten in diesem Sommer dafür, dass das Meereis nach Volumenverlusten in den Vorjahren wieder deutlich an Masse zulegen konnte – während das Eisvolumen laut den Satellitendaten zwischen 2010 und 2012 um 14 Prozent schwand, nahm es 2013 sprunghaft um mehr als 40 Prozent verglichen mit dem Vorjahr zu. Der Zuwachs war so stark, dass ihn die Gruppe noch ein weiteres Jahr später nachweisen konnte, weil das Eisvolumen immer noch um ein Viertel über dem Durchschnittswert der Jahre vor 2013 lag.

Verursacht wurde diese momentane Kehrtwende durch einen unterkühlten Sommer: Er wies fünf Prozent weniger Tage auf, in denen die Luft- und Wassertemperaturen die Eisschmelze auslösten. Laut Tilling und Co erinnerten die Witterungsbedingungen und Temperaturen eher an das Ende der 1990er Jahre, als die Erwärmung der Arktis noch nicht so weit vorangeschritten war wie ein Jahrzehnt später. Auch wenn dies nur eine Momentaufnahme sei, so zeige diese zumindest kurzfristige Trendumkehr beim Eisvolumen, dass das arktische Meereis womöglich doch flexibler reagieren kann, als bislang angenommen wurde: Große Eisverluste gelten als ein wichtiger Rückkopplungseffekt für verstärkte Aufheizung – und damit weitere Eisverluste. Angesichts der fortschreitenden Erwärmung der Region gehen die Wissenschaftler daher auch davon aus, dass 2013 die Ausnahme war und sich mittelfristig nur selten wiederholt. Momentan hat das arktische Meereis seine drittniedrigste Ausdehnung in einem Juni seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen erreicht – dem wärmsten Monat der Region. Die Verluste werden sich aber noch bis in den September fortsetzen.

In der ursprünglichen Fassung stand, dass das Arktiseis im Juli seinen drittniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenüberwachung erreicht habe. Das ist falsch, gemeint war der Juni. Anm. d. Red.

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