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Reise zum Mond: Neue Bilder der Mondumrundung von Artemis II

Die Crew der NASA-Mission Artemis II hat mit dem Raumschiff Orion die Rückseite des Mondes passiert und die Nähe zu unserem Trabanten genutzt, um spektakuläre Panoramen aufzunehmen.
Ansicht der Erde, die teilweise hinter der Mondoberfläche hervorragt. Der Vordergrund zeigt die graue, kraterübersäte Oberfläche des Mondes, während die Erde im Hintergrund als leuchtend blaue Sichel erscheint, umgeben von der Dunkelheit des Weltraums.
Der Crew von Artemis II bot sich am 7. April 2026 um 00:41 Uhr MESZ bei der Passage hinter dem Mond dieser einmalige Anblick: Die teilweise von der Sonne beleuchtete Erde erscheint in Sichelform. Im Vordergrund ist die trostlose und kraterübersäte Landschaft der Rückseite unseres Trabanten zu sehen. Auch der Ohm-Krater ist erkennbar. Zu diesem Zeitpunkt der Reise bestand für etwa 40 Minuten kein Funkkontakt zur Erde – wie erwartet.

Am Dienstagabend unserer Zeit hat die US-Weltraumbehörde NASA endlich die angekündigten und langersehnten neuen Bilder von der Mondrückseite veröffentlicht. Sie sind spektakulär, schön und einzigartig.

Die Crew der NASA-Mission Artemis II setzt ihre zehntägige Reise um den Erdtrabanten fort. Nach dem erfolgreichen Start am 2. April in Cape Canaveral kreiste das Raumschiff Orion mit drei Männern und einer Frau zweimal um die Erde, beschleunigte zum Mond und stellte nun mit 406 771 Kilometern einen neuen Abstandsrekord auf: So weit war noch kein Mensch von der Erde entfernt. 

Mond verfinstert Sonne | Während der Mondumrundung mit dem Raumschiff Orion stellte sich der Erdtrabant vor die Sonne. Bei dieser Sonnenfinsternis wird die »Sonnenscheibe«, fachsprachlich Photosphäre genannt, vom Mond verdeckt. Nur ein dünner Schein unseres Tagesgestirns – die Korona – verrät, dass die Sonne direkt hinter dem dunklen Begleiter der Erde steht. Im Unterschied zu irdischen Sonnenfinsternissen, die aus geometrischen Gründen maximal sieben Minuten lang sein können, erlebten die Artemis-II-Astronauten eine 54-Minuten-Finsternis. Das sichtbare Mondrelief (links oben) wird vom »Erdenschein« erleuchtet, also von Sonnenstrahlung, die von der Erde (hier nicht im Bild) auf den dunklen Teil des Mondes reflektiert wird.

Wie geplant, führten die Astronauten eine rund sechsstündige Beobachtungskampagne während ihrer Passage auf der erdabgewandten Seite des Mondes durch. Die NASA veröffentlichte am Dienstagabend deutscher Zeit fantastisches neues Bildmaterial, das besondere Einblicke in die kosmischen Geschehnisse bietet.

Dazu gehört eine Sonnenfinsternis, die künstlich herbeigeführt wird, weil sich die Raumkapsel Orion hinter den Mond bewegt, während dessen Vorderseite von der Sonne beleuchtet wird. Nach einer 54-minütigen Finsternis war für die Crew der Spuk vorbei.

Emotionaler Höhepunkt der Mondpassage war die Benennung eines bislang namenlosen Kraters nach der verstorbenen Frau des Kommandanten Wiseman: Der Krater soll von nun an »Carroll« heißen. Während des feierlichen Akts in der engen Kapsel kämpften die Astronauten mit den Tränen und lagen sich in den Armen. Die Internationale Astronomische Union (IAU) muss diesen Vorschlag noch offiziell annehmen.

Narbiger Hinterkopf des Mondes | Eine Seite des Mondes ist von der Erde aus betrachtet niemals zu sehen: die Mondrückseite. Und zwar, weil unser Trabant sich genauso schnell um die Erde dreht wie um sich selbst. Die Karte zeigt, dass es auf der Rückseite des Mondes – hier großteils zu sehen – viel mehr Krater gibt als auf der erdzugewandten Seite. Das liegt an der viel dickeren Kruste des Trabanten an dessen Rückseite und an Einschlägen von Kleinkörpern, die in der Vergangenheit des Sonnensystems häufiger vorkamen. Der Krater Aitken (links) liegt am Rand des Südpol-Aitken-Beckens, einer Region am Südpol unseres Trabanten, wo die chinesische Mondsonde Chang’e-4 erstmals kontrolliert auf der Mondrückseite landete und ihr Rover Gesteinsproben entnommen hatte. Das Aristarchus-Plateau (rechts oben) befindet sich auf der erdzugewandten Vorderseite unseres Trabanten.

Natürlich ist die Mondoberfläche »von oben« bestens erforscht. Neue Krater werden kaum noch entdeckt, weil der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) die Gestalt unseres Trabanten in 3D von allen Seiten aufgenommen hat. Die Mondsonde LRO kreist schon seit dem Jahr 2009 um den Begleiter der Erde. Dabei wurden sogar Spuren des NASA-Mondprogramms Apollo aus gut 20 Kilometern Abstand über der Mondoberfläche aufgenommen. Sie belegen, dass die Mondlandungen stattgefunden haben.

Für Samstag, den 11. April 2026, ist die Rückkehr von Kommandant Reid Wiseman (USA), Pilot Victor Glover (USA) und den Missionsspezialisten Christina Koch (USA) und Jeremy Hansen (Kanada) geplant. Sie sollen mit der Raumkapsel an Fallschirmen hängend im Pazifik wassern. Zuvor wird es noch einmal kritisch, weil das Raumschiff Orion in die Erdatmosphäre eintreten und sich dessen Hülle auf mehrere Tausend Grad Celsius erhitzen wird. Die ganze Welt fiebert mit und drückt der Crew die Daumen.

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