Artenschutz: Brutsaison bei Kakapos könnte Rekorde brechen

Was die Neuseeländer tun, um ihre ikonischen Kakapos (Strigops habroptilus) vor dem Aussterben zu retten, beschreibt der Veterinärmediziner Adam Naylor vom Auckland Zoo im Podcast »Kakapo Files«: Als er an einem Nest ankam, bemerkte er, dass ein Huhu-A3-2026 genanntes Küken ungesund lila aussah – weshalb er unmittelbar mit einer Mund-zu-Schnabel-Beatmung begann und dem Kleinen das Leben rettete. Am nächsten Tag saß es gesund, munter und gut versorgt im Nest. Jedes Küken zählt also, und davon gibt es in der aktuellen Brutsaison so viele wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt schlüpften mehr als 100 kleine Kakapos, von denen am Freitag (27. März 2026) noch 96 am Leben waren. Damit übertrifft das Jahr den bisherigen Rekordhalter seit Beginn des Schutzprogramms 2019, als 85 Küken schlüpften.
Nicht alle dieser Jungtiere werden überleben, bis sie flügge sind. Doch die Verantwortlichen um Artenschutzkoordinator Andrew Digby vom New Zealand Department of Conservation sind zuversichtlich, dass der Weltbestand der seltenen Papageien nach Ende der Brutzeit mehr als 300 Tiere umfassen wird. Es wäre ein Meilenstein für das Schutzprogramm, das seit 1995 läuft und damals nur 51 Individuen umfasste. Momentan leben 236 Kakapos auf verschiedenen, raubtierfreien Inseln vor der neuseeländischen Küste.
Die moosgrünen Papageien nisten nur alle zwei bis vier Jahre, wenn ihre bevorzugten Nahrungspflanzen ein sogenanntes Mastjahr erleben: Dann fruchten die Rimu-Harzeiben (Dacrydium cupressinum) der Inseln im Südpazifik massenhaft und gewährleisten, dass Mütter und Küken ausreichend mit Energie versorgt werden. Dank der reichlichen Nahrung 2026 wachsen die Küken sehr gut und sind ausreichend versorgt. Teilweise legen die Jungtiere jeden Tag rund 20 Prozent ihres Gewichts zu, und manche entwickeln bereits das Federkleid der Erwachsenen.
Sehr erfreulich finden es Digby und Co, dass 2026 auch viele junge Weibchen nisten, die selbst erst vor vier oder sieben Jahren während der letzten beiden guten Brutzeiten geschlüpft sind. Dadurch vergrößert sich die genetische Vielfalt in der Population, da nicht nur einige wenige Kakapo-Mütter brüten. Angesichts der geringen Zahl überlebender Kakapos war die Art durch einen genetischen Flaschenhals gegangen, was sich unter anderem an der Vielzahl unbefruchteter Eier zeigt, die die Tiere legen.
Wegen der wachsenden Zahl an Kakapos fahren die Artenschützer ihre Betreuung langsam herunter: Im Gegensatz zu früheren Jahren besuchen sie die Nester seltener und lassen der Natur häufiger ihren Lauf. Vier Küken befinden sich gegenwärtig allerdings im Dunedin Wildlife Hospital und werden dort behandelt – um ganz ohne Eingriffe auszukommen, sind die Kakapos doch noch zu selten.
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