Artenschutz: Der »einsamste Frosch der Welt« ist tot, aber die Art lebt

Amphibien gelten als die am stärksten bedrohte Klasse an Wirbeltieren: Lebensraumzerstörung und eingeschleppte Krankheiten haben viele Arten an den Rand des Aussterbens getrieben. Und niemand symbolisierte dies besser als Romeo, der letzte bekannte Sehuencas-Wasserfrosch (Telmatobius yuracare) der Erde. Lange Jahre lebte er alleine in einem Terrarium in Bolivien, bevor Wissenschaftler 2018 einige weitere Vertreter seiner Art in der ursprünglichen Heimat der Lurche im bolivianischen Bergregenwald fanden. Nach der ausgeprägten Phase der Einsamkeit wollte sich Romeo jedoch nicht mehr mit einem Julia genannten Weibchen fortpflanzen. Und schließlich starb er im Januar 2025 eines natürlichen Todes, wie die Organisation »re:wild« erst 2026 meldete – verknüpft mit der Nachricht, dass Forscher einen neuen Bestand der Art entdeckt hatten.
Dies sei erst die zweite Entdeckung einer Population der Wasserfrösche seit 2009, so die Organisation. Die Tiere leben zwar in einem Nationalpark, doch werden sie vom eingeschleppten Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis bedroht, der weltweit Frosch- und Krötenbestände heimsucht und bereits verschiedene Arten ausgerottet hat. Der Botaniker Saul Altamirano hatte Amphibienexperten um Camacho Badani vom Naturkundemuseum Alcide d’Orbigny in Cochabamba auf eine Gruppe an Amphibien hingewiesen, die in fast 100 Kilometern Entfernung von Julias Heimatgewässer vorkamen. Eine Expedition in die Region bestätigte schließlich, dass es sich um die gesuchten Sehuencas-Wasserfrösche handelte.
Der lokale Bestand ist den ersten Erkenntnissen zufolge zwar klein, aber stabil, also nicht akut durch die Seuche oder Lebensraumzerstörung bedroht: Abholzung findet auch im Park statt. Das Team um Badani überwacht die Frösche mithilfe von Unterwassermikrofonen und kann so aus der Ferne die Tiere beobachten, ohne sie zu stören.
Es ist umso wichtiger, die Art im Freiland zu erhalten, da es dem Museum bis heute nicht gelungen ist, die Wasserfrösche im Terrarium zu züchten. Keines der zehn dort gehaltenen Tiere machte bislang Anstalten, sich zu vermehren. Die Experten vor Ort hoffen weiterhin darauf, da sie bei verwandten Spezies wie dem Cochabamba-Wasserfrosch oder dem Titicaca-Riesenfrosch (Telmatobius culeus) bereits erfolgreich waren. Eine Reservepopulation von Telmatobius yuracare in Haltung würde das Überleben der Art sicher voranbringen.
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