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Artenschutz: Der mysteriöse Zwergfuchs von Cozumel lebt noch

Es ist eine Premiere: Erstmals konnte ein lebendes Exemplar dieses kleinen Fuchses fotografiert werden. Abgesehen von seltenen Sichtungen waren bislang nur Knochenreste aus Ruinen von Maya-Siedlungen belegt.
Ein kleiner, grauer Fuchs sitzt auf einem steinigen Boden und blickt über die Schulter zurück zur Kamera. Sein Maul ist leicht geöffnet, und seine großen Ohren sind aufmerksam aufgerichtet. Im Hintergrund sind einige Blätter und Gras zu sehen.
Mit etwas Glück und dank zahlreicher Hinweise aus sozialen Medien gelang es, einen desorientierten Fuchs auf der mexikanischen Insel Cozumel zu fotografieren und zu retten.

Seit mindestens 5000 Jahren leben Füchse einer unbestimmten Art der Gattung Urocyon auf der mexikanischen Insel Cozumel in der Karibik. Wissenschaftlich belegt waren bislang nur Überreste in der Nähe einer archäologischen Ausgrabungsstätte von Maya-Siedlungen. Viel mehr weiß man über die Tiere nicht. Sie sind wahrscheinlich nahe mit den Graufüchsen des amerikanischen Festlands (Urocyon cinereoargenteus) verwandt. Mit viel Glück und Entschlossenheit gelang es einem Team um Rafael Chacón vom Zentrum für Naturschutz und Bildung auf Cozumel, erstmals einen dieser Zwergfüchse zu fotografieren. Es ist zugleich die erste Sichtung eines Tiers seit 2001: Die Füchse leben also weiterhin auf der Insel.

Anwohner hatten im September 2023 über soziale Medien und Telefonanrufe einen desorientierten Fuchs gemeldet, der sich in der Nähe einer Straße herumtrieb. Chacón schnappte sich seine Kamera und zog los, um das Tier zu suchen. Mit Helfern fing er den Fuchs schließlich ein, untersuchte ihn und setzte ihn wenige Tage später an einem besser geeigneten Ort aus.

Wegen der heimlichen Lebensweise, ihrer Sel­ten­heit und der extrem wenigen Beobachtungen gibt es praktisch keine Studien zu diesen Füchsen. Es ist sogar noch unklar, ob es sich dabei tatsächlich um eine eigene Art, eine Unterart oder nur eine Inselpopulation der Graufüchse handelt, die keinen Kontakt mehr zum Hauptbestand hat. Fest steht: Die Tiere sind deutlich schmächtiger als ihre festländischen Verwandten. Erwachsene Exemplare fallen um 60 bis 80 Prozent kleiner aus – ein typischer evolutionärer Prozess auf Inseln, wo die Größe verglichen mit ähnlichen Arten auf Kontinenten im Laufe der Zeit zurückgeht (kleinere Arten des Festlandes können sich hingegen zu Inselriesen entwickeln).

Die Forscher schließen daraus, dass sich die Cozumel-Füchse seit mindestens 5000, wahrscheinlich aber sogar seit 13 000 Jahren oder noch länger isoliert von den Graufüchsen entwickelt haben. Dazu passt, dass es auf der Insel mit dem Zwergwaschbär (Procyon pygmaeus) und dem Zwergnasenbär (Nasua nelsoni) zwei biologisch anerkannte Raubtiere gibt. Auf den Kanalinseln vor der kalifornischen Küste existiert zudem eine eigene Zwergfuchsart (Urocyon littoralis), die von den Graufüchsen abstammt.

Chacón und sein Team wollen daher ihre Nachforschungen intensivieren, um mehr über die Zwergfüchse herauszufinden und ihren Artstatus zu klären. Mithilfe von Kamerafallen oder breit angelegten Umwelt-DNA-Analysen möchten sie den Bestand und das Verhalten der Tiere erfassen. Eine eigens eingerichtete Website soll über die Füchse und die Arbeit der Wissenschaftler aufklären. Denn in einem sind sie sich ziemlich sicher: Angesichts der vereinzelten Nachweise gehen sie davon aus, dass diese Hundeartigen extrem selten auf Cozumel vorkommen.

  • Quellen

Bayer, T. et al., Neotropical Biology and Conservation 10.3897/neotropical.21.e187967, 2026

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