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Artenschutz: Gibt es 2026 einen Babyboom bei den Kakapos?

Der neuseeländische Kakapo ist einzigartig – und immer noch extrem selten. 2026 könnte es jedoch zur besten Brutsaison seit Jahrzehnten kommen.
Zwei Papageien mit grünlich-gelbem Gefieder stehen sich gegenüber und halten rote Beeren in ihren Schnäbeln. Im Hintergrund sind unscharfe grüne Blätter zu sehen. Die Szene ist bei Nacht aufgenommen, was durch den dunklen Hintergrund deutlich wird.
Kakapos brüten nur alle paar Jahre wieder, wenn es ausreichend Nahrung gibt.

Gespannt blicken neuseeländische Ökologen jedes Jahr auf die Rimu-Harzeiben (Dacrydium cupressinum) der Inseln im Südpazifik. Denn nur wenn sie ausreichend fruchten, schreiten die vom Aussterben bedrohten Kakapos (Strigops habroptilus) zur Brut: Die seltenen Papageien sind auf die Früchte des Baums angewiesen, um genügend Nahrung für sich und den Nachwuchs zu bekommen. Und 2026 sieht es sehr vielversprechend aus, da 50 bis 60 Prozent aller Harzeiben auf den drei Inseln fruchten sollen, auf denen alle verbliebenen Kakapos leben – weit mehr als für eine erfolgreiche Aufzucht nötig sind. Das für das Artenschutzprogramm verantwortliche Department of Conservation geht daher von einer rekordverdächtigen Brutsaison aus.

Weil die Vögel so stark von den Früchten abhängig sind, brüten die Tiere nur alle zwei bis vier Jahre. Seit der letzten erfolgreichen Brutsaison 2022 ist also schon einige Zeit vergangen. Und Nachwuchs ist dringend nötig, denn der Weltbestand der nachtaktiven Papageien beträgt nur 236 Tiere, von denen nur 83 Weibchen im brutfähigen Alter sind. Die Population wird daher von einem Team aus Wissenschaftlern intensiv betreut: Manche Weibchen werden künstlich besamt und die Vögel medizinisch streng überwacht, damit sie nicht an Krankheiten sterben oder wegen Mangelernährung ihre Küken unzureichend füttern. Bei Bedarf bringen die Helfer sogar Zusatznahrung aus.

In den 30 Jahren seit Beginn des Programms 1995 ist es dadurch gelungen, den Weltbestand der Kakapos von 51 Tieren (darunter 20 Weibchen) auf mehr als 200 zu steigern. Allein das ist schon ein Erfolg: In den 1970er Jahren waren nur noch männliche Überlebende der Art bekannt; erst später fand man noch einmal Weibchen. Eingeschleppte Fressfeinde wie Katzen, Ratten oder Marder gefährden aber weiterhin das Überleben. Alle bekannten Kakapos leben daher auf Inseln, auf denen zuvor die invasiven Säugetiere ausgerottet wurden.

Das oberste Ziel sei es, einen sich selbst erhaltenden Bestand an Kakapos zu schaffen, der irgendwann in der Zukunft auch ohne menschliche Hilfe überleben kann, schreibt das Department in seiner Mitteilung. In dieser Brutzeit wollen die Beteiligten daher weniger Küken per Hand aufziehen und auch weniger Nestkontrollen durchführen. Damit soll nach und nach zu einer natürlichen Bestandsentwicklung der Art zurückgekehrt werden. Künstliche Besamungen wurden allerdings durchgeführt, um eine möglichst optimale genetische Vielfalt zu bewahren.

Begleitet wird die Brutsaison allerdings weiterhin von großem öffentlichen Interesse, etwa auf sozialen Medien. Besonders beliebt ist beispielsweise das Bild einer Kühlschranktür, auf der die Wissenschaftler vermerken, welches Weibchen Eier gelegt hat oder wo Küken geschlüpft sind. Am 8. Januar 2026 erfolgte der erste Eintrag: Die auch beim letzten Mal erfolgreiche Mutter »Pearl« hat die ersten Eier gelegt!

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