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Artenschutz: Schnecke überlebte Aussterben hinter einer Eisdiele

Eine extrem seltene Schnecke auf Bermuda überdauerte nur zufällig dank einer Klimaanlage. Nun kehrte sie in ihre Heimat zurück – und sprang dem Tod von der Schippe.
Eine Nahaufnahme von mehreren kleinen Schnecken, die über eine raue, beige Oberfläche kriechen. Die Schnecken haben unterschiedliche Größen und ihre Gehäuse zeigen verschiedene Muster und Farben, von grünlich bis bräunlich. Der Hintergrund ist unscharf, was den Fokus auf die Schnecken lenkt. Die Szene vermittelt einen natürlichen und ruhigen Eindruck.
Die Schnecken sind die Nachfahren von Artgenossen, die dank einer Klimaanlage überlebten.

Zu den weniger bekannten Opfern des globalen Artensterbens gehören sicher Schnecken. Dabei sind viele dieser Weichtiere global bedroht – vor allem auf Inseln oder in speziellen Lebensräumen auf dem Festland. Das gilt auch für Poecilozonites bermudensis von der britischen Insel Bermuda: Sie überlebte nur durch Zufall, kehrte jetzt jedoch dank eines eindrucksvollen Zuchtprogramms erfolgreich in ihre alte Heimat zurück, wie der »Guardian« unter Berufung auf den Chester Zoo berichtet

In den frühen 1990er-Jahren war der Bestand der Schnecken auf Bermuda wegen veränderter Lebensräume und eingeschleppter Fressfeinde wie Raubschnecken stark zurückgegangen, bis sie schließlich für ausgestorben erklärt wurden. Doch glücklicherweise ging jemand 2014 mit außerordentlich guten Beobachtungsgaben und Schneckenkenntnissen in eine überwucherte Gasse hinter einer Eisdiele auf Bermuda – und entdeckte die Art wieder, wie der Chester Zoo schreibt. Die Tiere hatten auch dank des Tropfwassers des Geschäfts überlebt; die umgebende Betonwüste hatte potenzielle Fressfeinde offensichtlich ferngehalten.

Die Behörden der Inseln kooperierten rasch mit dem Chester Zoo und flogen einige der Schnecken nach Großbritannien, wo der Zoo mit diesen Tieren ein Nachzuchtprogramm begann. Dieses war außerordentlich erfolgreich und sorgte im Lauf der Zeit für zahllose Nachkommen. Ab 2019 begannen die Verantwortlichen nach und nach, aufgezogene Schnecken – insgesamt 100 000 Tiere – zurück in ihre ursprüngliche Heimat zu bringen. Dort hatten Renaturierungsarbeiten in bewaldeten Gebieten begonnen, bei denen auch Maßnahmen gegen die invasiven Fressfeinde eingeleitet wurden. 

Inzwischen sind die Bermuda-Schnecken wieder an sechs Standorten auf Bermuda heimisch, wo sie sich auch erfolgreich fortpflanzen. Damit gilt dieses Wiederansiedlungsprojekt als erfolgreich. Allerdings müssen weiterhin Schutzanstrengungen unternommen werden, um Raubschnecken oder ebenfalls eingeschleppte Plattwürmer fernzuhalten. Der Chester Zoo wiederum legt den Schwerpunkt nun auf eine zweite stark bedrohte Schneckenart von Bermuda: Poecilozonites circumfirmatus soll ebenfalls gerettet werden.

Die Rettungsaktion auf Bermuda ist nicht die erste, bei der Schnecken erfolgreich nachgezüchtet und wieder in die alte Heimat gebracht wurden. Auf der anderen Seite der Erde, in Polynesien, gelang dies ebenfalls mit den stark bedrohten Partula-Schnecken: Eingeführte Raubschnecken hatten sich mit Appetit über sie hergemacht und einige Arten ausgerottet. Andere überlebten ebenfalls dank Nachtzuchtprogrammen in Zoos und kehrten wieder auf ihre Inseln zurück.

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