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Artenvielfalt: Das ist die 9000. Amphibienart

Von wegen Ende der Entdeckungen: Wissenschaftler erwarten in den nächsten Jahren noch viel mehr Frösche, Kröten und Salamander.
Ein Frosch sitzt auf feuchtem Boden, umgeben von grünen Blättern und Moos. Der Frosch hat eine grünlich-braune, strukturierte Haut und große, dunkle Augen. Die Umgebung ist dunkel und feucht, was auf einen natürlichen Lebensraum hinweist.
Leptobrachella cathaya lebt in bewaldeten Karstbergen im südlichen China.

Die Huaping-Waldbodenkröte (Leptobrachella cathaya) ist vielleicht nur ein kleiner Lurch, ihre Entdeckung aber ein großer Schritt für die Erforschung der Amphibienvielfalt. Nach Zählung der IUCN SSC Amphibian Specialist Group handelt es sich bei ihr um die 9000. Amphibienart, die entdeckt und beschrieben worden ist. Zhong Huang vom Naturkundemuseum in Guangxi und sein Team stellten die Spezies im Journal »Zootaxa« vor. Die Tiere leben in Karstgebirgen im südwestlichen China und stellen eine eigene evolutionäre Linie dar, die sich auf besondere Weise ihren Lebensraum mit anderen Amphibien teilt.

Die nur daumennagelgroße Kröte unterscheidet sich demnach in ihrem Äußeren und phylogenetisch deutlich von anderen Waldbodenkröten. Markant ist beispielsweise ihre zweifarbige Iris, deren obere Hälfte kaffeebraun ist, während die untere silbrig schimmert. Sie nutzt das gleiche Habitat entlang gebirgiger Bäche wie die Dong-Waldbodenkröte, doch kommen sich die beiden wegen ihrer Fortpflanzungsstrategien nicht in die Quere. So vermehren sich die Huaping-Waldbodenkröten während der wasserreichen Sommermonate, während sich die Dong-Waldbodenkröten dafür auf die späten Winter- und frühen Frühlingswochen verlegen, wenn die Gewässer weniger gut gefüllt sind.

Beide Arten leben in einem Naturschutzgebiet, allerdings beschränkt sich ihr bekannter Lebensraum dort auf wenige Bäche und Flüsse. Bedroht werden sie durch touristische Infrastrukturprojekte, Lebensraumzerstückelung und Wasserverschmutzung. Huang und Co fordern daher verstärkte Schutzanstrengungen und Bestandsüberwachung.

Das gelte auch für viele andere Amphibienarten, deren genaue Zahl noch gar nicht bekannt sei, schreibt die IUCN-Gruppe. Im südchinesischen Karstgebiet etwa sei noch mit zahlreichen weiteren Entdeckungen zu rechnen: Der Lebensraum erlaubt, dass sich viele Arten unabhängig voneinander weiterentwickeln können.

Die Spezialisten erwarten eine Gesamtzahl von mehr als 15 000 Amphibienarten weltweit, wie sie in einer Studie schreiben. In den letzten 40 Jahren hat sich die Zahl der bekannten Spezies auf 9000 verdoppelt, und jährlich wurden bis zu 180 Arten neu beschrieben. Die Mehrzahl davon entfällt auf die bereits artenreichen Frösche und Kröten, doch auch bei Salamandern und Blindwühlen zeigt der Trend stark nach oben. Wenig überraschend werden die meisten der Neumitglieder in Südamerika und Asien vermutet, aber selbst Nordamerika gilt noch als potenziell guter Fundort. Für Europa erwarten die Wissenschaftler dagegen nur noch sehr wenige Neuentdeckungen und vor allem kryptische Arten, die sich äußerlich sehr wenig und vor allem in den Genen oder Rufen unterscheiden.

  • Quellen
Huang, Z. et al., Zootaxa 10.11646/zootaxa.5752.4.2, 2026

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