Artenvielfalt: Mosambiks mystische Wälder offenbaren neue Chamäleons
Im Norden Mosambiks ragen einzelne, bis zu 3000 Meter hohe Berge aus der umgebenden Savanne: Überreste aus sehr hartem Gestein, während die weichere Umgebung im Laufe der Zeit abgetragen wurde. Dank ihrer Höhe erzeugen sie ihr eigenes Wetter mit ergiebigem Regen, der dichte Bergregenwälder tränkt. Und diese Ökosysteme beherbergen eine ganz eigene Flora und Fauna mit zahlreichen einmaligen Arten, die der Wissenschaft vielfach noch unbekannt sind. Das belegen etwa die vier neuen Chamäleonspezies, die Krystal Tolley von der University of Johannesburg und Werner Conradie von der Nelson Mandela University in George neu beschrieben haben. Sie leben nach bisherigem Kenntnisstand jeweils auf einem einzigen Berg.
Die beiden Biologen waren Teil eines Expeditionsteams, das zwischen 2014 und 2018 verschiedene Berge in der Region aufgesucht hatte, um die Reptilienfauna zu erfassen. Dabei stießen sie auf die vier Chamäleons, die sie der Gattung Nadzikambia zuordnen konnten: einer Gruppe waldbewohnender Chamäleons, von denen bis dahin nur zwei Arten im fraglichen Gebiet bekannt waren. Morphologische und genetische Analysen der Tiere zeigten, dass es sich jeweils um unbekannte Spezies handelt, welche Tolley und Conradie schließlich wissenschaftlich beschrieben. Zwei der Reptilien benannten sie nach den beiden Wissenschaftlerinnen Rosalind Franklin und Jane Goodall (N. franklinae und N. goodallae), die Namen der beiden anderen beziehen sich dagegen auf die äußeren Bedingungen: N. evanescens wegen ihres schwindenden Lebensraums, N. nubila wegen der dichten Wolken, die ihren Berg regelmäßig umgeben.
Die Chamäleons blieben für die Wissenschaft lange verborgen, weil ihre Heimat nur schwer zu erreichen ist. Teilweise mussten die Forscher steile Hänge überwinden, um in die Bergregenwälder vorzudringen. Während nächtlicher Exkursionen spürten sie die Tiere mithilfe starker Taschenlampen auf. Tagsüber sind sie nämlich im dichten Grün kaum auszumachen. Trotz der Abgeschiedenheit sind viele der Bergwälder bereits bedroht, weil sie für Holzkohle oder landwirtschaftliche Nutzflächen abgeholzt werden. Manche Berge haben nach Angaben der beiden Biologen bereits 80 bis 90 Prozent ihrer Waldbedeckung verloren. Obwohl nicht bekannt ist, wie groß die Bestände der Reptilien sind, müssten sie wegen dieser Lebensraumzerstörung bereits als bedroht gelten, schreibt Tolley auf »The Conversation«.
Die Berge werden auch als »Sky Islands« bezeichnet, da sie wie feuchte Inseln inmitten der trockenen Savanne liegen. Diese bildet für die an feuchte Wälder angepassten Arten eine natürliche Barriere, die sie teilweise seit dem mittleren Miozän und damit mehrere Millionen Jahre nicht überwinden konnten. Isoliert voneinander entwickelten sich Tiere und Pflanzen auseinander und bildeten neue, endemische Arten – ähnlich wie das auf echten ozeanischen Inseln passiert.
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