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Artenvielfalt: Neu entdeckte Echse ist auch eine der seltensten der Erde

Dieser Skink lebt nur auf einem einzigen Felsen in Australien. Wegen seiner Seltenheit nennen ihn die Indigenen der Region den »Versteckten«.
Eine Eidechse liegt zwischen zwei rötlich-braunen Felsen. Die Eidechse hat eine gemusterte Haut mit braunen und schwarzen Streifen. Sie ist seitlich zu sehen, wobei der Kopf nach links zeigt. Die Umgebung wirkt trocken und felsig.
Dieses Reptil lebt wahrscheinlich nur auf einem einzigen Felsen im Mutawintji-Nationalpark in New South Wales.

Über Jahrzehnte schenkten Wissenschaftler diesen Reptilien im australischen Mutawintji-Nationalpark in New South Wales nur geringe Beachtung: Sie galten als Vertreter der weitverbreiteten White-Stachelskinke (Liopholis whitii), die in der Region in einem isolierten Bestand vorkamen. Doch bei näherer Betrachtung entpuppte sich dies als großer Irrtum – der fatale Folgen für die Tiere hätte haben können. Denn die Echsen stellen tatsächlich eine eigene und extrem bedrohte Art dar, die ein Team um Thomas Parkin vom Australian Museum Research Institute in Sydney neu beschreiben: den Kungaka-Stachelskink (Liopholis mutawintji), von dem vielleicht nur 20 Exemplare vorhanden sind.

Die Wissenschaftler untersuchten mit Genomanalysen verschiedene Exemplare der White-Stachelskinke und entdeckten dabei, dass sich dahinter sogar drei Arten verbargen, die sich genetisch und morphologisch deutlich unterscheiden. Neben dem Südlichen White-Stachelskink, der seinen lateinischen Namen behielt, existieren der Nördliche Stachelskink (Liopholis compressicauda) und der von den beiden anderen räumlich stark getrennte Kungaka-Stachelskink – »Kungaka« stammt aus der Sprache der Indigenen der Region und bedeutet »der Versteckte«. Über 500 Kilometer trennen die Art von ihren nächsten Verwandten.

Er begann sich zu einer Zeit zu entwickeln, als Australien deutlich regenreicher war als heute. Als der Kontinent nach und nach trockener und heißer wurde, überlebte er nur in einem kleinen Gebiet mit passenden, ökologischen Bedingungen: einer geschützten, felsigen Schlucht, in der es noch ausreichend feucht ist, inmitten einer für ihn lebensfeindlichen Ebene aus Salzbusch und Steinen. 

Gänzlich sicher sind die Echsen hier jedoch ebenfalls nicht, wie Parkin und Co in einem Beitrag auf »The Conversation« schreiben. Eingeschleppte, verwilderte Ziegen überweiden das Ökosystem und zertrampeln die fragilen Felsformationen, in denen die Skinke Unterschlupf finden. Ebenfalls exotische Fressfeinde wie Füchse oder Katzen bedrohen die Skinke zusätzlich. Zählungen seit 2024 konnten nur rund 20 Individuen nachweisen. Die Art muss daher als eines der seltensten Reptilien Australiens und sogar weltweit gelten.

Zusammen mit Parkrangern und den Aborigines der Region sollen die Skinke besser geschützt werden, damit sich ihr Bestand wieder erholt. Dank geeigneter Maßnahmen wuchs beispielsweise die Zahl der bedrohten Gelbfuß-Felskängurus (Petrogale xanthopus) im Park wieder deutlich an. Das Gleiche erhoffen sich die Wissenschaftler auch für die Kungakas – damit aus den Versteckten nicht die Verschwundenen werden.

  • Quellen

Parkin, T. et al., Zootaxa 10.11646/zootaxa.5792.3.2 , 2026

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