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Asteroiden: Doppelschlag am Ende der Kreidezeit?

Chicxulub beendete die Ära der Dinosaurier. Ein Asteroidenkrater vor der westafrikanischen Küste deutet nun die Möglichkeit eines Doppelschlags an.
Asteroideneinschlag

Verglichen mit dem Chicxulub-Krater im Meeresboden vor der mexikanischen Halbinsel Yukatan ist der neu entdeckte Krater vor der westafrikanischen Küste recht klein. Sein Durchmesser beträgt nur etwa 8,5 Kilometer verglichen mit den 180 Kilometern für den Einschlagsort auf der anderen Seite des Atlantiks. Doch der Fund, den Uisdean Nicholson von der Heriot Watt University in Edinburgh und sein Team in »Science Advances« beschreiben, könnte helfen, das Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren weiter aufzuklären.

Mit Hilfe reflexionsseischmischer Daten des Untergrunds im Atlantik vor Westafrika stieß die Arbeitsgruppe auf den Krater, der seit dem Impakt von einer 300 bis 400 Meter dicken Sedimentschicht überdeckt wurde. Die entsprechende Altersdatierung legt nahe, dass der Einschlag maximal eine Million Jahre nach Chicxulub stattgefunden haben dürfte – und womöglich sogar unmittelbar nach dem größeren Impakt. Die Nadir genannte Struktur im Meeresboden weist laut Nicholson und Co die typischen Merkmale eines Asteroidenkraters auf, zum Beispiel eine zentrale Erhebung, die sich bei einem Einbruch etwa einer unterirdischen Magmakammer nicht fänden.

Die wahrscheinlichste Erklärung sei daher ein Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 400 Metern, der in das damals an dieser Stelle nur 800 Meter tiefe Meer schoss. Objekte dieser Größe trafen die Erde in der Vergangenheit regelmäßig; die zeitliche Nähe zu Chicxulub könnte daher auch reiner Zufall sein. Womöglich trafen sie aber praktisch zur selben Zeit die Erde, weil es sich um einen binären Asteroiden handelte. Ein vorheriger Treffer im All könnte Chicxulub getroffen und in zwei ungleiche Teile zerrissen haben. Auch die Gravitation der Erde hätte dies bewirken können, bevor die Brocken auf den Planeten stürzten. Immerhin schätzt man, dass 14 Prozent der Krater auf der Venus von binären Asteroiden stammen, während es auf der Erde bislang nur von zwei bis vier Prozent bekannt ist.

Nadirs Folgen waren so oder so verheerend. Wahrscheinlich löste der Einschlag einen Tsunami von bis zu 1000 Metern Höhe und ein Erdbeben der Stärke 6,5 aus. Überlebende von Chicxulub oder sich neu entwickelnde Organismen nach der ersten Katastrophe wären zumindest in einem großen Umfeld vernichtet worden.

Dass der Krater überhaupt entdeckt wurde, war auch ein Stück Zufall, wie Nicholson beschreibt. Eigentlich untersuchte der Geowissenschaftler, wie sich das Seafloor Spreading in diesem Teil des Meeres entwickelt, also das seitliche Auseinanderweichen des Ozeanbodens in Folge der Plattentektonik. »Ich habe schon viele seismische Daten ausgewertet, aber so etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Statt der flachen Sedimentabfolgen, die ich auf dem Plateau erwartet hatte, fand ich eine 8,5 Kilometer lange Vertiefung unter dem Meeresboden, die sehr ungewöhnliche Merkmale aufweist«, sagt Nicholson. Endgültig klären muss eine Tiefenbohrung, ob es sich um einen Impaktkrater handelt. Bis dahin ist es aber die wahrscheinlichste Erklärung.

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